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Evangelisch-lutherische
Kirchengemeinde Krankenhagen

Jahreslosung 2019

Jahreslosung 2019

Gott spricht: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten“. So singt die christliche Gemeinde seit dem 9. Jahrhundert. Der Hymnus zur Jahreslosung, ein Lied voller Sehnsucht, oft genug aus tiefster Verzweiflung gesungen, während der Lärm der Fliegerbomben oder die Trauer um die Toten die Orgel übertönt hat. Die Jahreslosung 2019 ist schrecklich realistisch. „Suchet den Frieden“, das bedeutet: wir haben ihn immer schon verloren. Die kriegerischen Konflikte, die Bürgerkriege, das himmelschreiende Elend, das ihnen folgt, die aufgeheizte Stimmung im eigenen Land, wo menschenverachtende Reden Menschen wie unter Drogen in einen Rausch versetzen, das sind die Zeichen einer unfriedlichen Menschheit.

Das Gefühl der Ohnmacht und der Reflex des Wegduckens sind da natürliche Reaktionen. Doch die Bibel entlässt uns nicht in den Fatalismus. „Suchet den Frieden“. Das heißt ja: tut alles, was ihr könnt, damit das, was Leben zerstört, zurückgedrängt wird. Gar nicht so einfach. Die Suche nach Frieden beginnt ja nicht in der internationalen Diplomatie, dem Einsatz für Rechtsstaatlichkeit und einer Lösung von Konflikten, die ohne Waffen auskommt. Sie beginnt in der eigenen Nachbarschaft, in der Familie und in der Kirche. Unfrieden schaffen wir auch hier. Das eigene Herz ist oft Quelle für Unfriedlichkeit. Die Angst, zu kurz zu kommen, das Gefühl, dass andere mehr gesehen werden – das macht unzufrieden, ungerecht oder böse. Deshalb singen wir im „Jahr des Friedens“ als Bitte und Gebet: Gott, verwandle Du uns in Menschen, die zu Frieden kommen, die buchstäblich „zufrieden“ sind, nicht satt und selbstgenügsam, sondern in Gott geborgen und deshalb mutig, um sich den zerstörerischen Mächten in und um ins entgegenzustellen.

 

Ein gesegnetes, ein friedvolles neues Jahr wünscht Ihnen

 

 

 

Landessuperintendentin Dr. Petra Bahr

"Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Offenbarung21,6

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Offenbarung 21,6

 

Gott wird es gut machen

„Widerstreitende Handelsinteressen“, „religiöse Vielfalt“ und „Multikulti“, „moralischer Verfall“, „die Welt ist ein Dorf“, „Krieg“. Wir kennen diese Schlagworte. Sie liefern uns in Kurzform die Zustandsbeschreibung einer zerbrechlichen Welt. Aber ich rede nicht vom Jahr 2018. Ich rede vom ersten Jahrhundert nach Christus. Denn genau diese Beschreibungen treffen auf das Lebensgefühl vieler Menschen im Mittelmeerraum der damaligen Zeit zu. Globalisierung und die Angst davor sind keine Erfindungen unseres Jahrhunderts. Wir bilden uns das nur ein.

 

Die Texte im Buch der Offenbarung sind Ende des ersten Jahrhunderts entstanden. Und neben diesem allgemeinen Unsicherheitsgefühl ging es der Gemeinde Jesu an den Kragen. Kaiser Domitian konnte nicht ertragen, dass sich die Christen weigerten, ihn anzubeten. Dahinein wird dem Johannes die „Offenbarung“ (die Apokalypse, wörtlich: Entschleierung) gegeben. Und mit der Jahreslosung 2018 lassen wir jeden Schleier und Nebel hinter uns und treten direkt auf eine Lichtung mit weitem Horizont. Sie steht im vorletzten Kapitel des Buches und der ganzen Bibel. Dort erfahren wir, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Gott wird jede Träne abwischen und alle Schmerzen beenden. Kein Leid und kein Geschrei wird mehr sein. Gott wird mitten unter seinem Volk wohnen. Und dann steht sie da, die Verheißung: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offb21,6).

 

Gottes Verheißung, veranschaulicht mit dem Bild einer Quelle, aus der lebendiges Wasser hervorsprudelt. Es steht für Gott selbst. Für seine Gerechtigkeit. Für sein Heil. Für seine heilsame, richtende und aufrichtende Gegenwart. Er sagt uns: „Ich mache alles neu“ (Vers 5) und damit wird wirklich alles gut. Umsonst, frei erhältlich, aus Gnade.

 

Jemand hat einmal gesagt: „So wie Durst auf die Existenz von Wasser hinweist, so weist unsere Sehnsucht nach Gott auf dessen Existenz hin.“ Sehnsucht ist schmerzlich und normal zugleich, so wie Durst. Wir dürsten nach Gott. Manchmal spüren wir es, oft nicht. Aber da ist dieser Unfriede, der nur von ihm selbst gestillt werden kann. Da ist die Sehnsucht, die nur von ihm erfüllt werden kann. Bei ihm kommen wir zur Ruhe, findet unsere Suche ihr Ziel.

 

Erstaunliche und realistische Perspektive der Bibel: So lange sich die Welt dreht, wird geweint, gehofft, gebangt und geklagt. Es wird verloren, gelitten und gestorben. Dass wir uns da gar keine Illusion machen. Aber dann! Dann wird alles gut werden. Am Ende.

 

Und jetzt?

Nehmen wir den Klassiker vieler Filme und Vorstellungen. Zwei Menschen sind verschollen auf einer einsamen Insel. Der eine hat Hoffnung, dass es gut wird und sie einmal gefunden werden. Der andere verliert schon bald jede Hoffnung, die Insel jemals lebend verlassen zu können. Der erste wird Kraft haben und durchhalten, der zweite gibt sich schon bald auf, es hat sowieso keinen Zweck für ihn.

Ein Mensch, der keine Hoffnung hat, ist arm dran. Wir brauchen für unser Leben einen Ausblick über den Tod und über diese Welt hinaus. Er gibt uns Hoffnung. Ob die Hoffnung des Gestrandeten begründet ist, ist fraglich. Für unser Leben aber haben wir eine begründete Hoffnung. Sie liegt in Gott und seiner Zusage. Gott macht alles neu – und gut. Diese hoffnungserfüllte Perspektive verändert jeden Tag heute. Wie das?

 

Ich habe mich mit der Jahreslosung in einer Zeit beschäftigt, in der es mir nicht gut ging. Es gab ein paar unlösbare Fragen und ich machte mir selbst sehr viel Druck. Das machte mich für Wochen fast apathisch. Viele kennen dieses Lebensgefühl, wenn man denkt: „Ich will nicht mehr“, wenn man nicht einmal aufstehen will. Wenn man sich einfach nur noch entsetzlich müde fühlt. So war es bei mir. Und dann kam die Jahreslosung wie ein himmlischer Hoffnungsschimmer: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ und „Siehe, ich mache  alles neu“. Ich verstand, dass es vollkommen ausreicht, was Gott tut und tun wird. Dieses Wort hat mich getröstet und aufgerichtet. Es hat mich gerettet. Es hat mir für den einen Tag Kraft gegeben. Und dann für den nächsten. Und für den nächsten.

 

Weil Gott die Zukunft gehört (und wir ihm), können wir unsere Angst überwinden. Wir sind befreit von der lähmenden Angst um uns und unsere Zukunft. Das ist die beste Voraussetzung für ein leidenschaftliches und engagiertes Leben. Es ist ein befreites Leben. Diese Zukunftsperspektive tut hier und heute nicht nur gut – sie gibt uns die Kraft, in den ungelösten Fragen zu bestehen. Und weil wir ganz an Jesus und seinem Heil hängen, hören wir auf, es uns selbst zu erarbeiten. Wir müssen uns nicht selbst erlösen. Und weil wir Realisten sind, halten wir durch. Denn wer erwartet, durch dieses Leben tränen- und schmerzfrei hindurch zu schweben, wird an den überzogenen Erwartungen zerschellen. Gottes Hoffnung gibt uns Kraft. Nicht das perfekte Leben.

 

Man hat den Christen oft vorgeworfen, sie seien Jenseitsvertröster. Dieser Vorwurf mag manchmal berechtigt gewesen sein. Ich erlebe heute viele Menschen jedoch als Diesseitsvertröster, auch Christen. Viele tun so, als ob diese Welt alles sei. Aber das wäre doch sehr wenig. Es wäre sehr kurzsichtig. Und es entzöge uns den Grund für eine lebendige Hoffnung, die echt trägt.

 

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Das Jahr 2018 steht unter dieser starken Verheißung. Das lebendige Wasser fließt in unsere Welt und verändert sie. Gott wird einmal alles neu machen. Deswegen kann ich mich hier und heute begeistert dem Leben widmen, ohne Angst. Ohne Angst? Ja, das würde das kommende Jahr ganz sicher entscheidend verändern.

 

Ihr

 

Ansgar Hörsting, Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden Deutschland

 

P.S.: Stellen Sie sich im Blick auf das Jahr 2018 doch einmal folgende Frage: Was würde ich lassen und was würde ich tun, wenn ich all meine Angst überwinden könnte?

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Foto und Gestaltung Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de

Bildbetrachtung:

Ein gelbes Herz?! Das ist ja mal ganz was Neues! Außergewöhnlich! Absolut nicht „von der Stange“!

Aber das gibt es doch gar nicht! In unserer Welt sind Herzen zumeist Rot: Frisch Verliebte malen sie auf ihre Briefe oder fügen sie ihren elektronischen Nachrichten bei. Sie zieren die verschiedensten Autoaufkleber, mit denen Menschen bekunden, dass sie ein Herz für dies und jenes haben. Rote Herzen stehen für Liebe, Leben, Freude.

In Gottes Augen sieht das Herz freilich noch einmal ganz anders aus. Nicht weil er farbenblind wäre oder alles nur in tristes Schwarz-Weiß einteilt. Aber: Er sieht die Dinge so, wie sie sind. Und unsere Herzen sind eigentlich dunkel schwarz und hart wie ein Stein. Sie sollten lieben – Gott, unsern Schöpfer und die Geschöpfe neben uns! Unsere Herzen sollten fröhlich rot-pulsierend in beide Richtungen schlagen! Und sie tun es doch nicht. Wir hängen vor allem an uns selbst. Die Bibel beklagt sie seit Adam und Eva immer wieder, und wir spüren und erkennen sie durchaus auch selbst – unsere schwarzen, versteinerten Herzen, die unser Verderben und unser Untergang sind.

Doch nun: Ein gelbes Herz, das das Bild von Ulrike Wilke-Müller dominiert?! Hat sie nicht anders gekonnt oder gewollt? Hat sie sich die sprichwörtliche „künstlerische Freiheit“ genommen? Nein! Sie musste so malen. Denn sie fasst ja ein Wort, eine Zusage Gottes in Farben. Sie gibt der Jahreslosung ein Gesicht. Sie predigt darüber mit Pinsel und Leinwand. In dem Bibelwort für unseren Weg durch das Jahr 2017 sagt Gott seinen Menschen: Es soll nicht bei Euren dunklen, harten Herzen bleiben. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. … Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen. (Hesekiel 36, 26-27+29a – Lutherübersetzung) „Ich will, ich will, ich will etwas ändern!“ – sagt Gott. Die Einheitsübersetzung, der offizielle Text der Jahreslosung 2017, bringt zum Ausdruck, dass Gott es nicht bei Absichtserklärungen belassen hat. Seinen Worten folgten und folgen stets Taten. Er ist der, der Menschenherzen verändert und erneuert – bis heute: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Deshalb also: ein gelbes Herz! Ganz etwas Neues! Absolut außergewöhnlich! Ulrike Wilke-Müllers Jahreslosungsbild stellt es uns vor Augen und lässt uns zugleich Zweierlei entdecken:

Zum einen, wie es zu einem solchen „sonnigen“ Herzen kommt:

– Der Schlüssel dazu ist das Kreuz – das Zeichen Jesu, des Sohnes Gottes, dessen Herz ungeteilt am Willen des himmlischen Vaters und an unserer Rettung hängt. Himmlisch strahlend hell leuchtet sein Kreuz vor allem anderen. Es vertreibt alle dunkle Finsternis, verbindet mit seinem Längsbalken Himmel und Erde und umfängt mit seinem Querbalken die Welt.

– Wo ein Mensch zu Christus findet und unter seinem Kreuz zur Ruhe kommt, da tut dieses „Schlüsselerlebnis“ das Herz dieses Menschen auf. Die Tür am Fuße des Kreuzes macht es deutlich: Durch Jesus werden wir neu offen für Gott und offen für die Menschen und die Schöpfung um uns her. Alles Dunkel unserer Gottferne muss weichen. Neues, lichtes, fröhliches Leben wird möglich.

– Das ist nie ein Programm oder etwas, das wir aus eigener Kraft und Anstrengung erreichen könnten. Das bleibt immer ein „Geschenk des Himmels“: Die Strahlen, die sich von links oben kommend über das Herz und das ganze Licht erstrecken, bringen es zum Ausdruck. Es ist ein Werk des dreieinigen Gottes (viele Dreieckefinden sich im Bild). Es beginnt durch Wasser und Geist in der Taufe und ist getragen und verbürgt durch das Blut Jesu, das er für uns vergossen hat (das immer wieder von Weiß durchzogene Türkis-Blau und Rot im Hintergrund kann uns daran erinnern).

Daher kommt es zu so einzigartigen, von Gott bewegten, erneuerten Herzen.

Wir sehen auf dem Bild zum anderen aber auch, was diese Herzen ausmacht:

– Wo Gott ein Menschenherz verändert, da werden Ketten gesprengt und Horizonte eröffnet (die vielen Querlinien im Bild können uns darauf hinweisen)! Da ist es möglich „Segel zu setzen“ und aufzubrechen zu anderen Ufern (der obere Teil des Bildes lädt zum Träumen ein und die vielen Dreiecke gewinnen eine zweite Bedeutung)!

– Wo ein Mensch zu Jesus findet, da tut dieser Herr und Heiland nicht nur das Herz auf und bleibt draußen vor der Tür, sondern er zieht selbst darin ein! Er macht es „zu seinem Tempel, seinem Haus“ (vergleiche Evangelisches Gesangbuch, Nr. 389). Er wohnt durch seinen Geist darin und macht unsere Herzen fest – woran? An Gottes Wort und Willen! Das gelbe Herz erinnert so, wie es gemalt ist, zugleich an die beiden Gesetzestafeln mit den 10 Geboten, die übereinander und nebeneinander liegen. Geballter Ausdruck für die wahre, vollkommene Liebe zu Gott und dem Nächsten.

– Dieses herrliche „Veränderungs- und Erneuerungswerk“ Gottes ist nun schließlich und endlich nicht auf einen Schlag vollendet, sondern dauert ein Leben lang. Es beginnt unscheinbar und im Kleinen und doch sichtbar. Es ist wie ein Weizenkorn, das in der Mitte des Herzens, im Schnittpunkt der „Tafeln“ auf Ulrike Wilke-Müllers Bild bei intensiver Betrachtung sichtbar wird. Es schlägt vom Kreuz her Wurzeln, wächst und nimmt zu und bringt Frucht – in der Nähe zu Gott, im Bleiben an Jesus, als Werk des Heiligen Geistes. Der wird es auch vollenden, einst vor Gottes Thron, am Jüngsten Tag, wenn Gottes herrliche Ewigkeit beginnt, für alle, in deren Herzen Jesus Christus lebt.

Die Jahreslosung mit dem „gelben Herzen“, sie kann und will uns so nicht nur ein Jahres-, sondern ein Lebensbegleiter werden: Zu viele „schwarze Herzen“ bevölkern noch diese Welt. Legen wir sie im Gebet immer wieder Gott ans Herz, der verspricht und zusagt, sie durch seinen Geist in Christus zu erneuern, dass sie nicht verloren gehen. Fliehen wir auch selbst zu ihm, wo unsere „roten Herzen“ nur schöner Schein und Tagtraum waren und weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. Suchen wir die Nähe Gottes sonntags wie alltags. Denn ER sagt ja stets aufs Neue zu uns:  Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

(Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel, Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de)