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Was sind eigentlich die "Apokryphen"?

Apokryphen

(auch: „Spätschriften des Alten Testaments“)

Das griechische Wort „Apokryphen“ bedeutet „die verborgenen“ (Bücher). So nennt man eine Gruppe religiöser Texte aus dem 2. und 1. vorchristlichen Jahrhundert, die unter griechisch sprechenden Juden als heilige Schriften galten, aber nicht in den verbindlichen hebräischen Bibeltext (den alttestamentlichen „Kanon“) aufgenommen wurden, wie er am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus von jüdischen Gelehrten festgelegt wurde. Dazu gehören Bücher mit Erzählungen (Judit, Tobias), Lehrbücher (Weisheit Salomos, Jesus Sirach, Baruch) und Geschichtsbücher (1. u. 2. Buch der Makkabäer) sowie einige Zusätze zu kanonischen Bücher des Alten Testaments.

Die Christen, die statt des hebräischen den griechischen Text des Alten Testaments oder eine lateinische Übersetzung benutzten, betrachteten die Apokryphen dagegen als Teile der „Heiligen Schrift“. In der katholischen Kirche sind sie bis heute ein vollgültiger Bestandteil der Bibel.

Anders bei den Evangelischen: Martin Luther und die Reformatoren gingen bei ihrer Übersetzung des Alten Testaments vom hebräischen Kanon aus und maßen den Apokryphen nicht den gleichen Wert bei. Luther nannte sie „Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten, und doch nützlich und gut zu lesen sind“. Wer eine Bibel in der Luther-Übersetzung kauft, kann daher zwischen Ausgaben mit oder ohne Apokryphen wählen. In den Bibelübersetzungen der reformierten Kirche (wie der „Zürcher Bibel“, die auf Zwingli zurückgeht) sind die Apokryphen grundsätzlich nicht enthalten.

 

Es gibt noch ein weiteres Problem: Anders als bei den „kanonischen“ Büchern des Alten Testaments gibt es für die Apokryphen keinen verbindlich festgelegten Text, sondern unterschiedliche Versionen, die in verschiedenen Abschriften erhalten sind. Daher können auch in deutschen Übersetzungen der Wortlaut und die Verszählung abweichen, je nachdem, welche Textfassung für die Übersetzung benutzt wurde.

Ein Beispiel ist der Monatsspruch für den September 2022: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“ Dazu findet sich als Stellenangabe: „Sirach 1,10“ – wie in der neuesten Revision der Lutherbibel von 2017. Wer aber in einer älteren Ausgabe nachschlägt, wird den Monatsspruch statt in Vers 10 erst in Vers 14 finden. Die Bibel ist eben für manche Überraschung gut.

 

Übrigens...

was bedeutet eigentlich das Wort „Epiphanias“?

Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Erscheinung“. Gemeint ist die Erscheinung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Das findet sich sehr schön ausgedrückt in Johannes 1,14: „Das Wort wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Am 6. Januar wurde zur Zeit der Alten Kirche Weihnachten gefeiert. Die Römer änderten das zugunsten des 25. Dezembers. Geblieben ist der 6. Januar als Epiphaniastag mit der sich anschließenden Epiphaniaszeit. Die endet nach vier Sonntagen im Februar, womit der Weihnachtsfestkreis definitiv zu Ende ist. Wichtigster Bibeltext am Epiphaniastag ist die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern folgen bis nach Bethlehem, um dort den neugeborenen König Jesus zu finden.

wussten Sie schon, wofür die Buchstaben C+M+B stehen, die die Sternsinger Anfang Januar auf Wunsch über die Haustür schreiben oder kleben? Da die Sternsinger ja als Heilige Drei Könige verkleidet kommen, läge die Vermutung nahe, dass die drei Buchstaben für ihre Namen Caspar, Melchior und Balthasar stehen. Dem ist aber nicht so. C+M+B bedeutet ausgeschrieben: Christus mansionem benedicat, also „Christus segne dieses Haus!“ Ein frommer Wunsch, dessen Wirkkraft sich noch verstärkt, indem die Sternsinger um eine Spende bitten für Kinder in Not. Im Jahr 2021 werden Hilfsprojekte für Kinder von Arbeitsmigranten unterstützt. Hoffentlich führt Corona hier nicht zu übergroßen Ausfällen. Das wäre schade für die Kinder, die sehr unter der langen Abwesenheit ihrer Eltern leiden.

wussten Sie schon, dass der Valentinstag nicht von Fleurop erfunden worden ist? Nein, seine Wurzeln reichen zurück bis in römische Zeit, wo ein Valentin von Terni und ein Valentin von Rom das Martyrium erlitten. Letzterer musste sein Leben lassen, weil er heiratswillige Liebespaare christlich traute gegen das Verbot Roms. Der Legende nach schenkte er den Liebenden auch Blumen aus seinem Garten. Das haben ihm die Brautpaare nicht vergessen. Sein Gedenktag wurde der 14. Februar, der zu römischer Zeit gleichzeitig der Tag der Göttin Juno war, zu deren Ehren ihre Altäre geschmückt und die Frauen mit Blumen beschenkt wurden. Nun wurde ihrem Tag durch die Verehrung des Valentin, der ein Herz für die Liebenden hatte, ein neuer Sinn gegeben. Und noch eine Bauernregel, die das Herz zurzeit erfreut: "Ist's am Valentin noch weiß, blüht zu Ostern schon das Reis!“

was hat es eigentlich auf sich mit den Namen der Sonntage in der Passionszeit?

Nicht nur Konfis wundern sich manchmal über die eigenartigen Namen der Sonntage vor Ostern. Des Rätsels Lösung: Sie sind mit dem lateinischen Anfangswort des Psalms benannt worden, mit dem der Gottesdienst begann.

1. Invokavit: Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören (Psalm 91,15).

2. Reminiscere: Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit (Psalm 25,6).

3. Oculi: Meine Augen sehen stets auf den Herrn (Psalm 25,15), oder:

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten (Psalm 34,16).

4. Laetare: Freuet euch mit Jerusalem (Jesaja 66,10).

5. Judica: Schaffe mir Recht, Gott (Psalm 43,1).

6. Palmarum (von „dominica palmarum“ = Palmsonntag) bezieht sich dagegen auf das Sonntagsevangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem (Johannes 12,13).  

Um sich die Sonntage in der richtigen Reihenfolge zu merken, hilft die Eselsbrücke:

I*n r*echter O*rdnung l*erne J*esu P*assion“.