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Neu! Neu!Neu! Kurzauslegungen zu den Monatssprüchen: Januar 2022

Während des vergangenen Jahres haben Sie an dieser Stelle Gedanken zu den biblischen Wochensprüchen lesen können. Zuletzt haben sich die Wochensprüche wiederholt – regelmäßige Leserinnen und Leser haben es vielleicht bemerkt. Das liegt daran, dass der Wochenspruch mit dem Thema und den biblischen Lesungen zusammenhängt, die an dem jeweiligen Sonntag „dran“ sind, und das sind in jedem Jahr dieselben.

Für 2022 haben wir, Ihre Pastorin und ihr Ehemann, uns darum etwas Anderes vorgenommen: Anstelle der Wochensprüche werden Sie in diesem Jahr Gedanken zu dem jeweiligen Bibelspruch des Monats finden. Anders als die Wochensprüche wiederholt sich der Monatsspruch nicht „alle Jahre wieder“, sondern wird, wie die Jahreslosung, immer neu ausgesucht.

 

Jesus Christus spricht: Kommt und seht! „ (Johannes 1,39)

Kommt und seht!“ Das ist eine Einladung. An wen ergeht sie? Wer soll kommen, und was gibt es zu sehen? Wie immer bei aus dem Kontext gerissenen Bibelworten hilft es weiter, auf den Zusammenhang zu achten, in dem sie stehen.

Der Zusammenhang, das ist die Berufung der ersten Jünger Jesu. Davon berichten auch die anderen Evangelisten: Jesus sieht am See Genezareth einige Fischer und fordert sie auf, ihm zu folgen, worauf sie ihre Boote verlassen und mit ihm gehen: Petrus, Andreas, Johannes und Jakobus. Das Johannesevangelium erzählt das anders. Hier ist es Johannes der Täufer, der seine Anhänger auf Jesus hinweist: „Das ist Gottes Lamm!“ Worauf zwei seiner Jünger sich Jesus anschließen wollen. „Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi, wo wirst du bleiben? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen´s und blieben diesen Tag bei ihm.“ Was an diesem Tag weiter geschehen ist, wird nicht berichtet, nur das Ergebnis. Denn einer der beiden – es handelt sich, wie wir jetzt erfahren, um Andreas – wird danach zu seinem Bruder Petrus sagen: „Wir haben den Messias gefunden.“

 

Es ist also ein ganz spezieller Zusammenhang, in dem Jesus sein „Kommt und seht“ spricht; in einer einmaligen Situation zu zwei einzelnen Menschen. Manches deutet die Erzählung nur an: Was wollten Andreas und der andere Jünger des Johannes eigentlich von Jesus? Trieb sie Neugier? Wollten sie von dem Rabbi Jesus belehrt werden? Was sie auch suchten – für den Evangelisten zählt nur, was sie tatsächlich gefunden haben. Das ist im Johannesevangelium öfter so: Wünschen können sich Menschen von Jesus vieles; finden werden sie etwas, das sie nicht gesucht haben, weil es alle menschlichen Wünsche und Vorstellungen übersteigt – den Sohn, der mit Gott, dem Vater, eins ist und das wahre, unvergängliche Leben bringt.

Andreas, Petrus und andere, von denen der Evangelist berichtet, haben sich auf den Anspruch Jesu eingelassen. Für uns heute ist das „Kommt und seht“ Jesu eine Einladung, es ihnen gleich zu tun und Gott in seinem Sohn Jesus Christus zu finden, oder besser: uns von ihm finden zu lassen.

 

Monatsspruch für Februar 2022

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Epheser 4,26

Zweierlei kommt mir spontan in den Sinn beim Lesen dieses Ratschlags von Paulus: Das Klassiker-Spiel „Mensch, ärgere dich nicht!“ und ein ehemaliger Bestseller aus der Frauen-Literatur „Wohin mit meiner Wut“ von Harriet Lerner. Mit dem Zorn ist das so eine Sache. Als Wut gehört er zu unseren primären Gefühlen. Schon Babies können wütend werden. Und das ist ja auch gut so, weil sie so auf sich aufmerksam machen können, wenn es ihnen an etwas fehlt. Der Zorn ist eine weiterentwickeltere Form als die Wut, weil er zielgerichtet ist gegen eine Person oder eine Sache. Ärger gehört auch dazu. Das zeitlos wichtige Spiel dazu lehrt uns, das Gefühl zu kontrollieren. Unkontrollierte Wut kann teuer werden, wenn sie alles zerschlägt. Unbeherrschter Zorn ist maximal destruktiv. Aber auch Paulus weiß schon, dass Zorn eine wichtiges Gefühl ist. Er will es uns auch nicht austreiben, wie es das Ansinnen mancher Philosophen war. Aber er warnt vor dem zerstörerischen Potential des Zorns. Wohin also mit meiner, mit unserer Wut?

Unterdrückte Wut oder Erfahrungen mit überwältigender Wut können ein großes Lebensthema sein, das mehr braucht als ein paar Verhaltensregeln. Paulus hat an dieser Stelle sicher nur die üblichen Zornauslöser im Sinn, wie sie immer wieder vorkommen und bewältigt werden wollen, damit es gut ausgeht im zwischenmenschlichen Miteinander. Zwei Strategien lässt er anklingen. Erstens: aus dem Zorn keine Sünde werden zu lassen. Was wäre nun eine Sünde? Ich vermute, eine überzogene, unangemessene Reaktion. Ein Verhalten, das Schaden anrichtet, das zu Trennung führt statt zur Versöhnung. Und zweitens: den Grund des Zorns schnellstmöglich aus der Welt zu schaffen. Dahinter steht wohl die Erfahrung, dass der Anlass des Zorns, wenn er unbewältigt bleibt, dazu neigt, sich in der eigenen Phantasie immer mehr anzureichern. Also, nicht runterschlucken, um grollend Magengeschwüre zu entwickeln, sondern die Energie des Zorns positiv nutzen, um eine befriedigende Lösung zu suchen. Warum aber ist es Paulus wichtig, auch über den Zorn von Christenmenschen zu schreiben? Weil sie, wie er zuvor schreibt, den neuen Menschen anziehen sollen, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Auch diese Art der Körperpflege ist eine tägliche Aufgabe.

Monatsspruch für März 2022

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Epheser 6,18)

Beten – jederzeit, ohne aufzuhören? Auf Schritt und Tritt? Wie soll das funktionieren, wenn man nicht gerade in einem Kloster lebt – am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Einkaufen, beim Autofahren? Gleichzeitig in zwei Wirklichkeiten zu existieren, der äußeren, sichtbaren unserer Umgebung und einer zweiten, inneren des Gebets – ist das nicht unrealistisch? Nicht unbedingt: Tatsächlich gibt es Menschen, die es für möglich halten, zur gleichen Zeit in zwei parallelen Welten zu leben. Es kommt ganz darauf an, was sie sich davon erwarten.

Kennen Sie „Smombies“? Mit diesem Kunstwort aus „Smartphone“ und „Zombie“ bezeichnet man Zeitgenossen, die unentwegt und ohne aufzusehen auf das Display ihres Handys starren, selbst auf der Straße, und die darum mit anderen Passanten oder Laternenpfählen zusammenstoßen. Als eine Londoner Tageszeitung vor einigen Jahren am 1. April berichtete, die Stadtverwaltung wolle Masten von Laternen und Verkehrsschildern in der City of London mit einer weichen Ummantelung versehen, um das Verletzungsrisiko für Smombies zu verringern, bekam die Zeitung eine Menge begeisterte Zuschriften – viele Leserinnen und Leser hatten den Aprilscherz für bare Münze genommen. Für sie war es offenbar ganz normal, sich gleichzeitig in der realen Umgebungswirklichkeit und einer anderen, virtuellen zu bewegen.

Der Monatsspruch aus dem Epheserbrief fordert Christinnen und Christen nicht dazu auf, gewissermaßen zu „Frombies“, zu frommem Zombies zu werden, die auf Schritt und Tritt Gebete vor sich hin murmeln, anstatt auf ihre Umgebung zu achten. Dagegen spricht die Ermahnung, wachsam zu sein und „für alle Heiligen“ (das bedeutet: für alle anderen Christen) zu bitten. Das kann nur, wer die Welt aufmerksam wahrnimmt und seine Mitmenschen im Blick hat, sich dabei aber selbst jederzeit vor Gott gestellt weiß. Es gibt nur eine Wirklichkeit. Beten ist keine andere, zweite Wirklichkeit neben den alltäglichen Verrichtungen, sondern das Leben als ganzes wird zu einem Dialog mit Gott: im Hören auf sein Wort, im Tun seines Willens und immer wieder auch im Reden des Gebets.

 

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Monatsspruch für Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht. (3.Johannes 2)

Wenn Meinungsforscher danach fragen, was Menschen sich für ein sinnvolles und glückliches Leben wünschen, nimmt die Gesundheit stets einen Spitzenplatz ein, noch vor Wohlstand oder Erfolg, oft auch vor harmonischen und verlässlichen Beziehungen. Von der Gesundheit hängt für viele ab, ob sie ihr Leben als lebenswert empfinden.

Diese Fixierung auf die Gesundheit als höchstes Gut wird auch kritisch gesehen. Der Theologe, Psychiater und Erfolgsautor Manfred Lütz hat in einem seiner Bücher einen „Gesundheitswahn“ diagnostiziert, von dem die heutige Gesellschaft befallen sei. Unseren Vorfahren, so meint Lütz, wäre es nicht im Traum eingefallen, den Sinn ihres Lebens von etwas so Zerbrechlichem und Flüchtigem wie der Gesundheit abhängig zu machen. Das tun Menschen erst, seitdem sie keine Perspektive mehr haben, die über das diesseitige, irdische Leben hinaus reicht – eine Perspektive, wie sie früher der Glaube bot.

Tatsächlich spielte Gesundheit für Christinnen und Christen lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Ungleich wichtiger als das körperliche Wohlergehen war das „Seelenheil“, die ewige Seligkeit, um die man vor allem besorgt war. Krankheit galt es aus Gottes Hand anzunehmen – als Prüfung, als Erziehungsmittel, unter Umständen als Strafe. Im Extremfall konnte das allerdings ebenso bedenkliche Formen annehmen wie der moderne Gesundheitswahn: statt Leidensscheu geradezu eine Verliebtheit in das Leiden. Besonders unbarmherzig war es, kranken und leidenden Menschen ihre Lage als Beweis der besonderen Nähe Gottes schmackhaft zu machen: „Wen Gott liebt, den züchtigt er.“

Wie wohltuend dagegen der Monatsspruch aus dem 3. Johannesbrief! Wie es damals in privaten Briefen üblich war, wünscht der Verfasser seinem Mitchristen Gaius Wohlergehen und Gesundheit „in jeder Hinsicht“ und setzt hinzu: „so wie es deiner Seele wohlergeht“. Um das „Seelenheil“ des Adressaten macht sich der Schreiber also keine Sorgen, denn er hat von dessen Wandel im Glauben nur Gutes gehört. Doch soll das körperliche Wohlergehen dem der Seele entsprechen – das ist sein Wunsch für Gaius.

Und das ist gut reformatorisch. Hat doch auch Luther immer wieder betont, dass wir unseres Heils gewiss sein können, wenn wir nur fest an das glauben, was Christus für uns getan hat. „Glaubst du, so hast du.“ Um das Wohlergehen des Leibes aber, das immer bedroht und ungewiss ist, dürfen wir Gott bitten. Wer gesund ist, soll es bleiben. Wer krank ist, soll wieder gesund werden. Und wer nicht mehr gesund werden kann, dem möge Gott die Kraft geben, an seinem Leiden nicht zu verzweifeln. Einander das zu wünschen und dafür zu beten, ist ein Akt christlicher Nächstenliebe.

 

Monatsspruch für Juli 2022

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (Psalm 42,3)

Durst ist schlimmer als Heimweh“, sagt der Volksmund, und er hat Recht: Bei großer Hitze, nach anstrengender Arbeit kann Durst schnell unerträglich, sogar gefährlich werden. Ohne feste Nahrung können Menschen wochenlang überleben, ohne zu trinken aber nur für kurze Zeit. Etwa zwei Liter Flüssigkeit braucht ein Erwachsener pro Tag, in dem trocken-heißen Klima, wie es im Land der Bibel herrscht, noch wesentlich mehr. Israel-Touristen können das bestätigen.

Kein Wunder, dass biblische Texte das Verlangen nach Gottes Zuwendung öfter mit den Qualen eines Dürstenden vergleichen. Der 42. Psalm, dem der Monatsspruch entnommen ist, findet dafür besonders eindrückliche Worte: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zur dir… Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ Welche konkrete Not den Beter quält, wird nicht gesagt. Nur das ist deutlich: Gott, der „lebendige Gott“ (oder: der Gott des Lebens, wie man wörtlich übersetzen kann), ist sein Lebenselixier, seine einzige Hoffnung auf Rettung. Fern von Jerusalem und dem Tempel, wo er „Gottes Angesicht schauen“, Gottes Gegenwart erfahren und Hilfe finden könnte, fühlt er sich wie ein Verdurstender.

Durst – auf Gott? In früheren Zeiten war man davon überzeugt, dass alle Menschen gewissermaßen eine angeborene Sehnsucht nach Gott haben. „Zu dir hin hast du uns geschaffen, Herr“, sagt der Kirchenvater Augustin, „und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.“ Heute ist diese Erfahrung vielen fremd. Zwar sehnen sich Menschen nach allerlei: Anerkennung, Erfolg, Wohlstand, Gesundheit… Und sie wissen auch, dass es außer dem körperlichen Durstgefühl so etwas wie einen Durst im übertragenen Sinn gibt, ein Verlangen nach Sinn und Erfüllung. Doch sie bringen das nicht mit Gott in Verbindung, zumal die Auswahl an Durstlöschern für die Seele reichhaltig ist.

Die Botschaft der Bibel will alternativen Angeboten keine Konkurrenz machen. Denn dann würde sie Gott mit anderen Sinnanbietern auf eine Stufe stellen, um ihn als „besser“ zu empfehlen. Doch im Glauben geht es nicht um die Befriedigung akuter Bedürfnisse, die wie Hunger und Durst ständig wiederkehren und neu gestillt werden müssen, sondern um die Stillung des menschlichen Lebensdurstes als solchen; nicht um das Durstgefühl, sondern um seine Ursache. Jesus hat das einer Frau, der er beim Wasserschöpfen am Brunnen begegnete, einmal so erklärt (Johannes 4,14): „Wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Denn Jesus gibt uns nicht etwas, sondern sich selbst. Der Monatsspruch lädt dazu ein, über diesen Unterschied nachzudenken.

Monatsspruch für September 2022

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit. (Sirach 1,10)

Was ist Weisheit? Wahrigs Deutsches Wörterbuch zählt die folgenden Bedeutungen auf: „einsichtige Klugheit, Lebenserfahrung, geistige, innere Reife, Abgeklärtheit; überlegenes Wissen, Gelehrsamkeit“. Weisheit hat also etwas mit Wissen zu tun, ist aber mehr. Kenntnisse, fachliche Kompetenz oder Cleverness allein machen noch nicht weise, wenn es an der inneren Einstellung fehlt. Weisheit ist Erfahrungswissen und Orientierung für das Handeln, um Zusammenhänge in der Welt zu erkennen und sich in ihre Ordnung einzufügen. Es gab sie zu in allen Zeiten und bei allen Völkern, auch in Israel zu biblischer Zeit. Hier stand König Salomo in dem Ruf, der größte unter den Weisen zu sein.

Heute beansprucht die Wissenschaft, die Welt zu erkennen und zu erklären. Dazu erforscht sie die Weiten des Kosmos ebenso wie die winzigsten Bausteine des Lebens. Allerdings hat es den Anschein, als würde die Weisheit im gleichen Maße abnehmen, wie das Wissen der Menschheit zunimmt. Denn die Wissenschaft ist immer in Gefahr, maßlos zu werden, weil sie die Welt nicht nur erkennen, sondern beherrschen und nach menschlichen Bedürfnissen verändern will. Klima- und Umweltkatastrophen lassen uns heute ahnen, wie töricht das sein kann. Sollte der Homo sapiens, der vernünftige oder „wissende“ Mensch, wie er sich selbst gerne nennt, etwas Entscheidendes übersehen haben, als er sich zum Maß aller Dinge machte?

Für die Bibel ist Gott Ursprung und Quelle aller Weisheit, und die Menschen werden nur in dem Maße weise, wie sie darum wissen und ihr Leben danach ausrichten. „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“ – mit dieser Einsicht begann einst das Streben nach Weisheit in Israel. Jesus Sirach, der Jahrhunderte später, an der Grenze des Alten Testaments, die Sprüche der Weisen noch einmal gesichtet und ergänzt hat, kann nicht mehr tun, als diesen Satz zu wiederholen und seinerseits hinzuzufügen: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“

Gott „fürchten und lieben“ (Luther, Kleiner Katechismus): Zu einer höheren Weisheit können Menschen nicht gelangen. Gott fürchten und lieben, das bedeutet, Gott und seine Macht zu respektieren. Es bedeutet, nach seinem Willen zu leben, weil seine Gebote ein Erweis seiner Fürsorge sind und dem Leben dienen. Und es bedeutet, Grenzen zu respektieren, die uns gesetzt sind: Wir sind Menschen und nicht Gott, Geschöpfe und nicht Schöpfer. Um diesen Unterschied zu wissen und danach zu handeln, ist und macht weise.

  • Hinweis: Das Buch Jesus Sirach (oder kurz: Sirach), aus dem der Spruch dieses Monats entnommen ist, gehört zu den sog. „Apokryphen“ oder Spätschriften des Alten Testaments, die nicht in allen deutschen Bibelausgaben enthalten sind.

Wer dazu mehr wissen will, findet in der Rubrik Spickzettel unserer Homepage unter dem Stichwort Apokryphen weitere Informationen.

Gedanken zum Spruch der Woche (25.12.-31.12.2021)

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit.“ (Johannes 1,14a)

Zu Weihnachten richten sich alle Blicke auf das Kind in der Krippe: „Kommet, ihr Hirten, ihr Männer und Fraun, kommet, das liebliche Kindlein zu schaun!“ Wir freuen uns an dem Jesuskind wie über jedes Neugeborene, gerührt und mit einer Portion Sentimentalität. Doch: Dieses Kind ist anders als alle anderen Kinder. Es ist der Sohn seiner irdischen Eltern und darum ein Mensch wie wir – und zugleich das „himmlische Kind“, Gottes Sohn, der Erlöser der Welt. Die biblischen Geschichten von der Geburt Jesu stellen das mit erzählerischen Mitteln dar. Der Wochenspruch sagt es in abstrakteren Begriffen: „Das Wort ward Fleisch“.

Das ewige, schöpferische „Wort“ Gottes nimmt Menschliches aus Fleisch und Blut an. Gott wird Mensch. Das ist etwas ganz Einmaliges, Unerhörtes in der Welt der Religionen. Die Götter der Antike pflegten wohl auch Umgang mit den Menschen; Mythen und Sagen erzählen davon. Sie konnten sogar gelegentlich menschliche Gestalt annehmen und sich den Sterblichen zeigen, um sie zu belohnen oder zu bestrafen. Doch das menschliche Leben mit allen Konsequenzen zu teilen, das wäre ihnen nicht in ihren göttlichen Sinn gekommen. Mit menschlicher Not und Leiden hatten sie nichts zu schaffen.

Unser Gott tut genau das. Er nimmt mit allen Konsequenzen an dem menschlichen Schicksal teil, von der Geburt bis zum Tod, und bleibt doch der ewige, allmächtige Gott. Das kann man sich nicht ausdenken, das kann man sich nicht wünschen. Man kann es nur als ein Wunder bestaunen. Weihnachten ist zum Staunen da.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (19.12.-24.12.2021)

Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ (Philipper 4,4.5b)

Unter gewöhnlichen Umständen passt dieses Wort gut zur Stimmung kurz vor Weihnachten. Die Vorfreude auf das große Fest hat uns ergriffen und für die Kinder steigt die Spannung bis ins Unerträgliche. Ursprünglich steht das Wort aber nicht im Zusammenhang mit Weihnachten, sondern kommt von einem, der im Gefängnis sitzt und um sein Leben fürchtet. Paulus heißt er und er schreibt an seine Gemeinde in Philippi. Denen ist auch gar nicht so zum Jubeln zumute, weil es allerlei Zoff in ihren Reihen gibt. Trotzdem werden sie zur Freude ermuntert, weil die Aussicht darauf, dass Christus wiederkommt, alles Andere in den Schatten stellt. Ärger, Frust, Angst und Traurigkeit verlieren an Bedeutung gegenüber der großen Erwartung.

Mir ist das in diesem Jahr besonders nahe gekommen. Ganz unvorbereitet erhielt ich die Nachricht vom Tod einer lieben, sehr geschätzten Bekannten. Auf der Traueranzeige standen würdigende Dankesworte und ein Bibelvers. Die Verstorbene war eine sehr fromme Frau und bibelfest. Viele Verse hätten zur Auswahl gestanden, aber die Familie hatte sich bewusst für den Vers entschieden, der auf ihren Todestag fiel: „Freuet euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!“ Das hat mich zutiefst beeindruckt, denn ich weiß, wie traurig Mann, Kinder und Enkel jetzt sind. Aber sie wissen ihre Trauer offenbar von der Freude darüber entmachtet, dass die Verstorbene nun dem begegnet ist, dem sie in diesem Leben folgte und auf den sie hoffte.

Gedanken zum Spruch der Woche (12.12.-18.12.2021)

Gedanken zum Spruch der Woche (5.12.-11.12.2021)

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

Seht auf“ – wörtlich: Richtet euch auf! Das ist ein Signal, sich einen Ruck zu geben, den gesenkten Blick zu heben und dem entgegenzusehen, was geschehen wird: „Eure Erlösung naht!“

Der Advent ist die Zeit der Erwartung. Wir warten darauf, dass Gott zu uns Menschen kommt. Wir erinnern uns an seine Ankunft im Stall von Bethlehem, und wir hoffen dass er auch in unsere Zeit, auch zu uns kommt, um uns von allem zu erlösen, was uns ängstigt und mutlos macht. Die Erinnerung an das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus hält die Hoffnung wach auf Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes unter uns. Gott soll zu den Menschen kommen, „die in Finsternis und Todesschatten wohnen“. Gründe, alle Hoffnung auf seine Gegenwart zu setzen, gibt es derzeit genug.

Erwartung ist noch nicht Erfüllung, Hoffnung nicht Besitz. Die Wochen des Advent erinnern daran, dass wir im Blick auf Gottes Handeln immer Wartende und Hoffende, nicht Besitzende sind. Doch wenn wir voll Hoffnung auf Gottes Ankunft warten, dann ist die Kraft dessen, worauf wir warten, schon in uns wirksam und will zum Vorschein kommen in allem, was wir sagen und tun. Die Menschlichkeit Gottes, an die wir uns erinnern und auf die wir hoffen, nimmt zeichenhafte Gestalt an in unserer Mitmenschlichkeit. Das Licht, als das Jesus in die Welt gekommen ist, kommt zum Leuchten in den kleinen Lichtern, mit denen wir die dunkle Welt heller machen. Darum ist das Warten auf Gottes Gegenwart kein dumpfes und ängstliches, sondern ein zuversichtliches und tätiges Warten: Kopf hoch – eure Erlösung naht!

 

Gedanken zum Spruch der Woche (28.11.-4.12.2021)

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Sacharja 9,9b

Advent=Ankunft. Adventszeit=Warten auf die Ankunft von Jesus. Warten=Bewusst erlebte und gestaltete Zeit bis zur Ankunft. Wer ist dieser Jesus, auf den wir da warten? Natürlich erstmal ein süßes Kind, das wir bestaunen und liebhaben. Jedes neugeborene Kind ist ja wert, bestaunt zu werden als Ausdruck der Liebe. Aber dieses Jesuskind ist noch unendlich viel mehr. Es ist der Retter der Welt. Das bedeutet zum Beispiel: Jesus ist unser König, ein Gerechter und ein Helfer.

Nun haben wir es als aufrechte Demokratinnen und Demokraten vielleicht nicht mehr so mit Königen. Doch bevor wir den König als veraltet zu den Akten legen, schauen wir lieber nochmal genauer auf das, was gemeint ist mit dem Königtum Jesu. Ob Monarchie oder Demokratie, es geht dabei immer um das Wie der Machtausübung. Jesus übt seine Macht aus als personifizierte Gerechtigkeit und Hilfe, also komplett anders als antike Herrscher zu seiner Zeit und auch komplett anders als die Lukaschenkos und Bolsonaros unserer Zeit, die ja scheinbar demokratisch legitimiert sind.

Gerechtigkeit und Hilfe geraten viel zu oft unter die Räder egoistischer Interessen. Dagegen gilt es zu kämpfen. Aber auch die Menschen, die guten Willens sind, stoßen immer wieder an ihre Grenzen in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit und Hilfe. Denn was genau im Einzelnen wirklich gerecht und hilfreich ist, bleibt oft fraglich.

In diesen Fragen ist Jesus der König, die Autorität, die das letztlich beurteilen kann in dieser einzigartigen Kombination von Gerechtigkeit und Liebe als Hilfe. Denn manchmal hat er eben auch ein ganz anderes Verständnis von Gerechtigkeit als wir (nachzulesen in Matthäus 20: Von den Arbeitern im Weinberg).

Gedanken zum Spruch der Woche (21.11.-27.11.2021)

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ (Lukas 12,35)

Das Bild, das Jesus hier gebraucht, meint Bereitschaft zum Aufbrechen bei Nacht: Das Obergewand mit einem Gürtel in die Höhe gerafft, die Lampe vorsorglich mit Öl gefüllt – so gerüstet konnte man sich auf den Weg machen.

Die Hörer Jesu sollen sich zum Aufbruch vorbereiten. Das wirkt ganz aktuell: Zur Zeit ist ja viel vom Aufbruch in die Zukunft die Rede, auch in der Kirche, und hier oft mit negativem Unterton. Zu unbeweglich sei sie, die Kirche, der Vergangenheit verhaftet, zu wenig flexibel, um auf die veränderten Bedürfnisse der Gesellschaft einzugehen. Darum müsse sie sich ändern, und zwar schnell. Aber Jesus empfiehlt keinen hektischen Aktionismus. Er fordert auch nicht dazu auf, wechselnden Modetrends nachzulaufen, die, wie im Märchen vom Hasen und Igel, ohnehin immer schneller sind. Was er meint, ist: wachsam und aufmerksam zu sein, um den Augenblick nicht zu verpassen, wenn Gott uns begegnet. Denn das Reich Gottes kommt „wie ein Dieb in der Nacht“.

Viele Menschen, die von Jesus zur Umkehr eingeladen wurden, haben die Chance ergriffen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben – wie die Jünger, die alles stehenließen und ihm folgten. Andere ließen die einmalige Gelegenheit ungenutzt, die ihnen die Begegnung mit Jesus bot. Bis heute kommt es darauf an, die Zeit nicht zu versäumen, in der Gott uns einlädt, uns nach seinem Wort auszurichten. Noch ist Gelegenheit dazu. „Kauft, dieweil der Markt vor der Tür ist, sammelt ein, weil es scheint und gut Wetter ist. Brauchet Gottes Gnade und Wort, weil es da ist.“ (Luther) Der Ewigkeitssonntag erinnert uns daran, dass alle irdische Zeit einmal ein Ende hat.

Gedanken zum Spruch der Woche (14.11.-20.11.2021)

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ (2. Korinther 5,10a)

Gott sei Dank habe ich noch nie als Angeklagte vor Gericht gestanden. Ich stelle mir das auch höcht unangenehm vor. Mir reicht es schon, wenn ich gelegentlich mal ein verschwommenes, aber sehr teures Portraitphoto von mir hinter dem Steuer meines Autos bekomme oder einen hässlichen Zettel hinter der Windschutzscheibe mit einem Bußgeld begleichen muss. Am meisten ärgere ich mich dann über mich selbst, dass das überhaupt passiert ist. Ich denke mal, dass ich ein ziemlich geschärftes Bewusstein von Recht und Unrecht habe. Trotzdem sage ich „Gott sei Dank“, weil ich mein blütenweißes Führungszeugnis bestimmt nicht nur meinem Wohlverhalten, sondern auch den glücklichen Umständen zu verdanken habe. Meine manchmal mangelnden Kenntnisse, meine Unaufmerksamkeiten, meine Versäumnisse haben noch nie zu bösem Unheil geführt. Insofern bin und sind auch die anderen bewahrt worden.

Aber auch mit tadellosem Führungszeugnis komme ich dermaleinst nicht am Richterstuhl Christi vorbei, wo das benannt wird, was wir getan haben im Guten wie im Bösen. Ich denke nicht so gering von mir, dass nicht auch manch Gutes zu erzählen sein wird. Aber mein Gewissen weiß auch um das Böse, was vorgekommen ist in „Gedanken, Worten und Werken“, wie die alte kirchliche Formel es so treffend ausdrückt. Das sind alles Vorkommnisse, die nicht vor ein weltliches Gericht gehören, aber vor Christus, der ja die Wahrheit schlechthin ist. Und mir selber ist doch auch manches von Menschen widerfahren, was verletztend, verstörend oder gemein war. Eigentlich wünsche ich mir sogar - so unangenehm die Vorstellung davon auch ist -, dass Ungeklärtes klar wird und Fragen Antwort finden, damit die Wunden heilen und der Groll sich verflüchtigt. Dann geschähe wirklich heilsame Versöhnung, vom großen Versöhner auf dem Richterstuhl gestiftet.

Gedanken zum Spruch der Woche (7.11.-13.11.2021)

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

(Matthäus 5,9)

„… mit Dörfelts von gegenüber verband uns eine jahrelange Freundschaft, bis die Frau sich kurz vor dem Fest unsre Bratpfanne auslieh und nicht zurückbrachte.“ Dadurch löst sie eine Kette von Ereignissen aus, die mit dem gewaltsamen Tod der Beteiligten und der Zerstörung ihrer ganzen Stadt endet.

Was Gerhard Zwerenz in seiner Kurzgeschichte mit grotesker Übertreibung erzählt, passiert in abgeschwächter Form tatsächlich jeden Tag: Unrecht führt nicht nur zu neuem, sondern größerem Unrecht; Gewalt zu gesteigerter Gewalt. Das ist das Prinzip der „Eskalation“: Es geht immer noch eine Stufe höher, solange nicht ein Friedensstifter dem wachsenden Unfrieden Einhalt gebietet und die Spirale von Feindseligkeit und Hass wieder zurückdreht.

Jesus hat damit gerechnet, dass Menschen solche Friedensstifter sein können. In den Seligpreisungen der Bergpredigt werden sie Kinder Gottes genannt, weil sie sich schon jetzt an den Maßstäben ausrichten, die im Reich Gottes gelten. Welche Maßstäbe das sind, erfahren wir auch in der Bergpredigt: Wer zur Versöhnung bereit ist, auf Vergeltung verzichtet und selbst seinen Feinden mit Liebe begegnet, der kann den Teufelskreis der Eskalation durchbrechen. Friedenstifter müssen also selbst friedfertig sein. Mit Konfliktscheu hat das nichts zu tun. Es erfordert innere Stärke, die Bereitschaft, eigene Ansprüche zu relativieren und die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Eine echte Herausforderung. Aber im Vertrauen auf Gott und den Frieden, den er in Jesus Christus mit allen Menschen geschlossen hat, kann es gelingen.

Gedanken zum Spruch der Woche (31.10.-6.11.2021)

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ (1.Korinther 3,11)

Auf diese Steine können Sie bauen“, wirbt eine große Bausparkasse um das Vertrauen der Kunden. Worauf wir bauen und vertrauen, ist nicht nur beim Hausbau, sondern bei allen Vorhaben entscheidend: Auf das Fundament kommt es an. Das gilt auch für die christliche Gemeinde. Schon lange bevor es Kirchengebäude gab, hat man die Gemeinde Jesu mit einem Bau verglichen. Noch heute reden wir von „Gemeindeaufbau“, wenn es um das Wachsen und Gedeihen von Gemeinden geht. Und auch hier stellt sich die Frage nach dem Fundament, der „Grundlage“, auf der gebaut werden soll.

Für Paulus, der sich in seinem 1. Brief an die Korinther als „Baumeister“ bezeichnet, denn er hat die Gemeinde in Korinth gegründet, ist die Antwort klar: Der Grund, das Fundament der Gemeinde ist Jesus Christus allein. Dieses Fundament ist von Gott selbst gelegt worden und darum dauerhaft und unveränderlich. Was dann im Lauf der Zeit auf diesem Grund gebaut wird, kann durchaus unterschiedlich aussehen. Doch ob traditionell oder modern, ob Dom oder Dorfkirche – auf das Fundament kommt es an.

Nichts anderes hatte Martin Luther mit der Reformation der Kirche im Sinn, an die wir uns an diesem Sonntag erinnern: Nicht um Modernisierung und Innovation sollte es gehen, sondern darum, das Fundament wieder freizulegen und sichtbar zu machen, worauf die Gemeinde Jesu gegründet ist: „Solus Christus“, Christus allein. Eine Kirche, die sich – wie zur Zeit Luthers – auf Macht, Reichtum und Ruhm gründet, ist nicht die Kirche Christi, auch wenn sie sich selbst so nennt. Auf das Fundament kommt es an!

 

Gedanken zum Spruch der Woche (24.10.-30.10.2021)

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. Römer 12,21

Wie du mir, so ich dir“, so lautet eine vertraute Redensart. Wer sie gebraucht, verbindet sie in der Regel mit einer Drohung oder kommentiert damit die eigene Revanche für ungutes Verhalten. Du hast mich damals im Stich gelassen, jetzt lasse ich dich auch im Stich. Du bist nie da, wenn ich dich brauche, jetzt sieh du mal zu, wie du klar kommst. Was du mir angetan hast, das zahle ich dir jetzt heim!

Wer Böses erfährt, der möchte das auf die Dauer nicht ohnmächtig hinnehmen. Der will sich wehren und kämpft um sein Recht und seine Würde. Das ist nicht nur verständlich, sondern das ist überlebenswichtig. Nun redet der Apostel Paulus im Römerbrief ja auch keineswegs der Ohnmacht und dem Stillehalten das Wort, sondern einem tatkräftigen Einsatz, dem es gelingt, das Böse zu überwinden mit Gutem. Dabei hat er im Blick, was das „Wie du mir, so ich dir“ meistens bewirkt: Wenn Böses mit Bösem beantwortet wird, steht am Ende nicht der Ausgleich, sondern die Steigerung. Wenn beide Seiten Böses mit Bösem beantworten, verschlimmert sich die Situation zunehmend. Eigentlich kann das niemand wollen. Darum ist Phantasie gefragt, um den Zirkel des Bösen zu durchbrechen.

Am besten gelingt das dadurch, dass man erstmal innehält und nicht dem ersten eigenen Impuls folgt, der viel zu oft zum Angriff oder auch zum Rückzug neigen lässt. Stattdessen lohnt es sich zu fragen: Was fällt mir stattdessen ein, um mit Gutem das Böse zu durchkreuzen? Ein klärendes Gespräch? Eine freundliche Geste? Eine deutliche Positionierung? Eine authentische Abgrenzung? Es gibt nicht das eine Patentrezept für jede Situation, aber es gibt immer gute Alternativen, um aus bösen Kreisläufen auszusteigen.

Gedanken zum Spruch der Woche (17.10.-23.10.2021)

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8)

Was ist gut? Manche Antworten auf diese Frage sind einfach und einleuchtend: „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“, meinte Erich Kästner. Oder Wilhelm Busch: „Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, was man lässt.“ Andere lassen dagegen bereits die Frage zu einem Problem werden: Was macht denn mein Handeln gut? Die gute Absicht? Das ehrenwerte Ziel? Der Erfolg? Der Nutzen für andere? Lässt sich überhaupt eindeutig sagen, was gut ist?

Der Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Micha duldet keine Ausflüchte. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist.“ Du kannst es wissen, weißt es längst und musst nicht lange rätseln: Gut ist, zu tun, was Gottes Gebot fordert. „Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ – so die Übersetzung Luthers. Vom hebräischen Text ausgehend lässt sich noch präziser übersetzen: „Recht üben, Freundlichkeit lieben und wachsam mitgehen mit deinem Gott.“

Für den Propheten ist das die Grundlage für das gute Leben, das Gott seinem Volk zugedacht hat: Gerechtigkeit als verlässliches Fundament des Lebens in der Gemeinschaft; Freundlichkeit im persönlichen Umgang miteinander; Aufmerksamkeit für die Spuren Gottes in der Welt und in unserem eigenen Leben, um nicht selbstherrlich oder maßlos zu werden. Damit entsprechen wir Gott, der gerecht und gütig zu den Menschen ist. So wächst, was die Bibel „Schalom“ nennt – auch unter uns.

Gedanken zum Spruch der Woche (10.10.-16.10.2021)

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ Jeremia 17,14

Bei Wikipedia finde ich folgende Definition: „Heilung bezeichnet den Prozess der Herstellung oder Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Integrität aus einem Leiden oder einer Krankheit, oder die Überwindung einer Versehrtheit oder Verletzung durch Genesung.“ Heilung ist also im Prinzip etwas Ganzheitliches. Heilung bezieht sich auf Körper, Seele und Geist. Sicher ist im Einzelfall stärker das Eine oder das Andere betroffen. Aber wer ursächlich körperlich erkrankt ist, dessen Seele leidet auch. Und wer eher seelisch verletzt ist, wird dies auch durch körperliche Beeinträchtigung spüren. Doch wer hilft dann, wieder heil zu werden?

Moderne Menschen setzen erstmal auf die Medizin, gehen zum Arzt, zum Hausarzt oder zum Spezialisten, zum Psychiater oder zum Psychotherapeuten. Doch wohin hätte Jeremia gehen sollen? Seine 'Krankheit' ist die Folge seines Auftrages von Gott. Der hat ihn berufen gegen seinen Willen. Der hat ihm auferlegt, dem eigenen Volk das Strafgericht Gottes anzukündigen. Das will natürlich niemand hören. Und so wird Jeremia das Opfer eines Shitstorms. Spott und Drohungen prasseln auf ihn nieder, niemand will mehr etwas mit ihm zu tun haben. Das macht Jeremia buchstäblich krank. Und wer hilft ihm jetzt? Soll er klein beigeben? Zum normalen Leben zurückkehren? Gottes Auftrag in den Wind schlagen? Das kann er nicht, denn er ist von Gott ergriffen und an dessen Weisung gebunden. Und wie die Geschichte zeigen wird: Die Unheilsbotschaft ist berechtigt. Das Gericht wird kommen in Gestalt von Eroberung des Landes und Deportation der Bevölkerung.

Es gibt Situationen im Leben, da muss man um der Wahrheit willen den schwereren Weg gehen, wenn man Gott und sich selbst treu bleiben will. Jeremia konnte ihn gehen, weil Gott ihn stützte, ihm immer wieder aufhalf, wenn er ins Stolpern kam. Sollten wir einmal in ähnlicher Bedrängnis sein, können wir uns an diesen tapferen Propheten erinnern, der seine Kraft aus dem Gebet bezog: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“

Gedanken zum Spruch der Woche (3.10.-9.10.2021)

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15)

Aus den USA stammt folgende Geschichte: Ein Pastor besucht ein Gemeindeglied, das eine verlassene Farm übernommen und mit Fleiß und Geschick wieder zur Blüte gebracht hat. Der Pastor ist beeindruckt von dem, was er sieht. Zum Abschied sagt er zu dem Farmer: „Da haben du und der Herr ganze Arbeit geleistet.“ Darauf entgegnet der Farmer: „Nichts für ungut, Reverend, aber Sie hätten die Farm sehen sollen, als der Herr sie noch allein bewirtschaftet hat!“ Auch der Wochenspruch zum Erntedankfest kann zum Protest reizen. Sind Menschen denn wie Tiere, die sich erwartungsvoll am Futtertrog drängen, bis Gott, der Gutsherr, Futter ausstreut?

Tatsächlich nimmt das Erntedankfest beides in den Blick: die menschliche Arbeit, die Früchte getragen hat, und das Zutun Gottes, der bewirkt hat, dass sie Früchte tragen konnte. Für unsere Vorfahren, denen noch nach jeder Missernte eine Hungersnot drohte, war der Segen Gottes entscheidend: „Aller Augen warten auf dich.“ Heute, wo die Industrie ganzjährig alle Arten von Nahrungsmitteln produziert und bereitstellt, scheint der Beitrag Gottes nicht mehr so wichtig. Aber auch die beste Logistik kann nicht garantieren, dass alles ohne Störungen abläuft; wie es überhaupt nicht selbstverständlich ist, dass unsere Vorhaben gelingen. Und das gilt nicht nur für Säen und Ernten, sondern für alles, was wir planen, tun und haben.

An einem Haus in der Rintelner Altstadt ist zu lesen: „Der Maurer hat’s gemauert, der Zimmerer überdacht, doch dass es überdauert, steht nur in Gottes Macht.“ Es schmälert den Wert menschlicher Arbeit nicht im Geringsten, das zu wissen und anzuerkennen – auch heute.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (26.9.-2.10.2021)

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1. Johannes 5,4c)

Der Wochenspruch fällt diesmal auf den Sonntag der Bundestagswahl. Seit Monaten beschäftigt uns die Frage, welche Partei und damit welcher Kanzlerkandidat aus dem Rennen siegreich hervorgeht und wer umgekehrt verliert. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr unser Denken und Handeln von den Kategorien „Sieg und Niederlage“ bestimmt ist. Und nun wird sogar vom Glauben als Sieg gesprochen, was ja voraussetzt, dass es vorher einen Kampf gegeben hat, der sicher auch anstrengend war. Immerhin war die Gegnerin keine geringere als die Welt.

Ist uns dieser Aspekt von Glauben noch vertraut? Oder überhaupt plausibel? Man kann den Eindruck gewinnen, als sei Glaube im Moment vor allem attraktiv als Entlastung, als Ausruhen in der Geborgenheit. Doch um sich auf Dauer geborgen fühlen zu können, braucht es auch den Kampf und die Anstrengung. Denken wir z.B. an den sehr beliebten Vers: „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Auch dieser Vers steht im 1. Johannesbrief. Er klingt gut, aber um in der Liebe zu bleiben, bedarf es ständiger Aufmerksamkeit, Tatkraft und Abwehr dessen, was Liebe zerstört. Diese zerstörerischen Kräfte und Mechanismen bezeichnet die johanneische Theologie als „Welt“ im Gegensatz zu „Gott“.

Ob es das Misstrauen ist oder die Gier nach Macht, ob es die Eifersucht ist oder der Besitzanspruch, die Macht der „Welt“ ist nicht zu unterschätzen. Doch der Glaube behält den Sieg. Tatsächlich? Wenn wir uns jetzt auf die eigene Glaubenstärke verließen, wären Zweifel mehr als berechtigt. Aber wir sind ja gottlob mit Christus verbunden, der den Sieg über die Welt als Feindin von Liebe und Leben ein für alle Mal errungen hat.

Gedanken zum Spruch der Woche (19.9.-25.9.2021)

Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“(2. Timotheus 1,10b)

Die Macht des Todes ist unübersehbar. Jede Traueranzeige, jedes Grab zeugen von der Realität seiner Macht. Doch die Menschen versuchen, der Macht des Todes zu trotzen. Dank des Fortschritts von Wissenschaft und Technik können wir heute ein bedeutend höheres Alter erreichen als unsere Vorfahren. Mit der modernen Hochleistungsmedizin lässt sich der Tod hinausschieben. Verhindern lässt er sich jedoch nicht. Wir Menschen können die Macht des Todes nicht brechen. Es hilft auch nicht, ihn zu verharmlosen, als wären die Verstorbenen gar nicht wirklich tot, denn „tot ist nur, wer vergessen ist.“ Wenn das zutrifft, sind die meisten Menschen, die je gelebt haben, allerdings mausetot.

Die Macht des Todes brechen kann nur Gott. Der christliche Glaube bekennt: „Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen.“ Und wie? Paradoxerweise, indem er gestorben ist. Aber nicht nur gestorben, sondern auch auferstanden ist von den Toten. Der Tod konnte Jesus nicht festhalten und endgültig vernichten. Gott hat das nicht zugelassen; er hat ihn auferweckt. Und damit ist ans Licht gekommen, was auch uns zugedacht ist: ein unvergängliches Leben jenseits des Todes.

Wer sich an dieses Leben klammert, den Tod mit allen Mitteln überlisten und vermeiden will, wird die Furcht vor seiner vernichtenden Macht nicht los. Wer sich dagegen im Glauben an Christus hält, der dem Tod die Macht genommen hat, für den wird der Tod zum Tor des ewigen Lebens. Darin liegt, in allem Schmerz und bei aller Trauer, unsere Zuversicht für die Verstorbenen – und, wenn die Zeit gekommen ist, auch für uns selbst.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (12.9.-18.9.2021)

Aller eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7)

Wenn ich diesen Vers lese, muss ich sogleich an Paul Gerhardts Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ denken, besonders an die 2. Strophe: „Was helfen uns die schweren Sorgen, was hilft uns unser Weh und Ach? Was hilft es, dass wir alle Morgen beseufzen unser Ungemach? Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.“

Paul Gerhardt, einer der ganz Großen unter den protestantischen Liederdichtern, wusste, wovon er schrieb. Sein Leben lang hatte er es mit erheblichen Sorgen zu tun. Mit beruflichen, weil er als überzeugter Lutheraner durch den Staat seines Amtes enthoben wurde, als er Widerstand leistete gegen das sog. Toleranzedikt des brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund. Und auch mit privaten, denn im Laufe der Jahre hat Paul Gerhardt außer seiner Frau auch vier von seinen fünf Kindern zu Grabe tragen müssen.

Hinzu kam das Durchleiden des 30-jährigen Krieges und seiner verheerenden Folgen. Der Mann wusste wahrlich, was Sorgen sind. Schon früh hat er sich diese Sorgen von der Seele geschrieben bzw. dagegen angeschrieben. Nicht um ihnen auszuweichen, sondern um ihnen standzuhalten mit einem unerreichten Gottvertrauen. Wer Gott und sich selbst treu bleibt, der wird mit Gottes Hilfe auch wieder bessere Tage sehen: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu und trau des Himmels reichem Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.“

Gedanken zum Spruch der Woche (5.9.-11.9.2021)

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2)

In unserer Umgangssprache kommen Redewendungen wie „gottseidank“ oder „gottlob“ bis heute vor. Oft sind es nur noch Floskeln, die so viel bedeuten wie „zum Glück“ oder „glücklicherweise“. Aber sie erinnern daran, dass es einmal Zeiten gab, in denen Lob und Dank gegen Gott zum Tagesablauf gehörten. Am Sonntag, im Gottesdienst, ist das immer noch so: Mit Liedern und Gebeten wird Gott gepriesen. Außerhalb des Gottesdienstes, im Alltag, ist das Gotteslob dagegen seltener geworden. Es wird aber weiterhin gepflegt, etwa als persönliches Morgen- und Abendgebet oder als Tischgebet der Familie vor den Mahlzeiten. Es ist eben nicht selbstverständlich und schon ein Dankgebet wert, wenn ich am Morgen wieder erwache, den Tag über genug zu essen habe und des Abends Ruhe finde.

Der Wochenspruch lädt dazu ein, auf diesem Weg weiter zu suchen, was Gott jeder und jedem von uns Gutes tut. Der Psalm nennt als Beispiele die Heilung von Krankheit, die Befreiung von Schuld, die Erhaltung von Vitalität und Lebensfreude. Es geht aber auch eine Nummer kleiner. Wenn wir uns fragen, was uns an einem Tag Gutes widerfahren ist, können wir Unverhofftes entdecken. Zum Beispiel, dass uns mehr gelungen als misslungen ist. Oder wie viel mir zugefallen ist, ohne dass ich einen Anspruch darauf hatte. Und dass eigentlich nichts im Leben selbstverständlich ist. Dann können wir Gott loben und ihm danken, wie einst als Kinder bei Tisch: „Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir. Wir danken dir dafür.“

 

Gedanken zum Spruch der Woche (29.8.-4.9.2021)

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40)

Auch im Sommer denke ich bei diesem Herrenwort immer an das Martinsfest. Mit dem Heiligen Martin verbindet sich bis heute viel lebendiges Brauchtum und darum kennt auch jeder die Geschichte von der Mantelteilung. Der römische Offizier Martin teilte seinen Mantel, um einen Bettler damit vor dem Erfrieren zu retten. Ein Mann von hohem gesellschaftlichen Stand tat einem geringen, verachteten etwas Gutes. Das an sich ist schon eine anerkennenswerte humanitäre Geste. Die Pointe der Martinsgeschichte liegt aber darin, dass dem Heiligen danach im Traum Christus erschien, bekleidet mit dem Mantelstück. Die gute Tat an dem Bettler war also zugleich eine gute Tat an Christus, umso mehr weil sie ohne Berechnung und Kalkül geschah. Und darauf kommt es beim Weltgericht an, in dessen Zusammenhang das Herrenwort ja steht. Dass Christus diejenigen zum ewigen Leben beruft, die ihn in den Geringsten erkannt haben, um ihm Gutes zu tun.

Gedanken zum Spruch der Woche (22.8.-28.8.2021)

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42,3a)

Der Prophet, von dem hier die Rede ist, bleibt namenlos; Gott nennt ihn nur „meinen Knecht“. Seine Aufgabe aber ist klar: die Israeliten, die Heimat und Besitz verloren haben und nun im Exil in Babylon leben, zu trösten und aufzurichten, bevor ihr Gottvertrauen völlig zerbricht und der Funke der Hoffnung endgültig verlöscht. Die Christen haben darin später ein Vorbild Jesu gesehen, der die Mühseligen und Beladenen zu sich ruft. Und sie haben in dem Eintreten des Knechtes wie des Sohnes Gottes für Schwache und Elende den Maßstab ihres eigenen Handelns gefunden.

Damit standen sie von Anfang an im Gegensatz zu einer Umwelt, die dem Recht des Stärkeren huldigte und für jede Art von Schwäche nur Gleichgültigkeit und Verachtung übrig hatte. Es waren Christinnen und Christen, die Kranke pflegten, Alte betreuten, Arme versorgten und sich für das Lebensrecht körperlich oder geistig behinderter Menschen einsetzten. Das wird heute gern vergessen. Stattdessen verweist man auf den humanitären Standard der modernen Gesellschaft. Dabei ist das Recht des Stärkeren, unter dem Deckmantel individueller Freiheit, im alltäglichen Umgang längst wieder auf dem Vormarsch. In sozialen Medien werden geknickte Rohre gnadenlos zerbrochen. Selbst die Vorstellung von einem lebensunwerten Leben wird, freundlich verpackt als Recht auf einen selbstbestimmten Tod, wieder salonfähig. Es gibt auch einen sozialen Klimawandel, und es ist an der Zeit, ihm durch ein furchtloses christliches Bekennen und Handeln zu widerstehen.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (15.8.-21.8.2021)

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1. Petrus 5,5b)

Dieser Vers ist ein Zitat. Der Verfasser des 1. Petrusbriefes zitiert hier aus dem Buch der Sprüche im Alten Testament (3,34), um seinem eigenen Anliegen Nachdruck zu verleihen. Im Sprüchebuch finden wir viel konzentrierte Erfahrungsweisheit, die hilft, das Leben gut zu bewältigen. Dass z.B. Hochmut vor dem Fall kommt, ist eine Weisheit, die den Arroganten warnt und seine Opfer tröstet.

Der Briefschreiber im Neuen Testament greift nun auf die allgemeine Sentenz zurück, um verschiedenen Personengruppen ein adäquates Verhalten anzuempfehlen. Konkret geht es ihm um das ewig aktuelle Thema „Jung und Alt“ und das noch speziell innerhalb der Gemeinde. Sein Appell lautet: „Die jungen Leute sollen sich den Ältesten, die ein Amt bekleiden, unterordnen. Die Ältesten wiederum sollen sich nicht als die Herren aufspielen, sondern Vorbild sein. Alle gemeinsam sollen sich in bescheidener Selbsteinschätzung üben."

Ein wertvoller Impuls für die notwendige Diskussion über das Verhältnis der Generationen heute mit den brennenden Fragen: Wie geht die ältere Generation mit ihrer Verantwortung für die jüngere um angesichts der bedrohten Zukunftsperspektive? Und wie hält es die jüngere Generation mit dem Schatz der Erfahrung der älteren? Im 1. Petrusbrief jedenfalls geht es um ein gelingendes Miteinander in gegenseitiger Achtung, das sich formen lässt durch Gottes Leitung und Fürsorge.

Gedanken zum Spruch der Woche (8.8.-14.8.2021)

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.(Psalm 33,12)

Der Sonntag, zu dem dieser Wochenspruch gehört, hat im Kirchenjahr den Namen „Israel-Sonntag“, und mit dem „Volk, das Gott zum Erbe erwählt hat“, ist hier, wie auch sonst in der Bibel, Israel gemeint.

Auf den ersten Blick scheint die Überzeugung, dass Gott unter allen Völkern ausgerechnet Israel auserwählt und mit ihm einen Bund geschlossen haben soll, ein elitärer Anspruch zu sein. Aber das Gegenteil ist der Fall: Erwählung ist vor allem Verpflichtung. Denn die Erwählung Israels wird konkret in der Gabe der „Tora“, der Offenbarung des göttlichen Willens, und bürdet den Erwählten damit eine Last auf, die andere Völker nicht zu tragen haben. Eine Legende erzählt, dass Gott die Tora allen Völkern der Erde angeboten habe, doch sie lehnten ab, weil sie die damit verbundenen Pflichten scheuten. Nur Israel war bereit, stellvertretend für die ganze Menschheit nach Gottes Geboten zu leben und Gott unter den Menschen bekannt zu machen. Damit erfüllte sich, was Gott einst Abraham verheißen hatte: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“

In den christlichen Gemeinden hat man das bald vergessen. Stattdessen hieß es: Die Juden haben Jesus getötet. Darum hat Gott sie verworfen. Sie sind jetzt nicht mehr Gottes Volk. An ihre Stelle ist die Kirche getreten. Was daraus an Unheil erwuchs, ist bekannt. Dabei hätte man nur genau hinschauen müssen, um zu erkennen: Israel ist und bleibt Gottes erwähltes Volk. Und wir Christen gehören um Jesu Christi willen gnadenhalber und durch die Vermittlung Israels auch zu dem „Volk, dessen Gott der Herr ist“. Ist das nicht genug?

Gedanken zum Spruch der Woche (1.8.-7.8.2021)

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“ (Lukas 12,48)

Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten“, heißt es im apostolischen Glaubensbekennntis. Die christliche Hoffnung richtet sich also auf die Wiederkunft Christi, die er angekündigt hat und bei der er als Richter auftreten wird über die Menschen und ihre Taten. Dies ist der Hintergrund für unseren Wochenspruch. Nun hat es sicherlich Zeiten gegeben, wo die Gerichtserwartung in schwarze Pädagogik pervertiert wurde, aber sie auszublenden, wie es derzeit häufig geschieht, verkennt die existentielle Wichtigkeit des Themas. Denn es geht um die letztgültige Relevanz von Verantwortung, Gerechtigkeit, Benennung von schuldhaftem Verhalten und Genugtuung für die Opfer.

Jesus wendet sich mit dem Wort vom Suchen und Fordern besonders an die, die leitende Verantwortung in der Gemeinde tragen. Wenn sie ihre Macht missbrauchen und sich bewusst nicht als gute Verwalter geistlicher und materieller Güter bewähren, wird sie das teuer zu stehen kommen. Dies mal zur Warnung! Wobei es natürlich jedem unbenommen bleibt, für sich zu schauen, wo ihm oder ihr viel gegeben und anvertraut ist, um dann selbstkritisch zu prüfen, wie gewissenhaft mit der Aufgabe umgegangen wird.

Gedanken zum Spruch der Woche (25.-31.7.2021)

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“ (Epheser 5,8b.9)

In den Briefen des Neuen Testaments finden sich öfter Sätze, die „Zuspruch“ und „Anspruch“ miteinander verbinden: die Zusage, von Gott geliebt und erlöst zu sein, und die Aufforderung, sich dementsprechend zu verhalten. „Wenn wir im Geist leben, lasst uns auch im Geist wandeln“, mahnt etwa Paulus (Galater 5,25).

Auch der Epheserbrief, der von einem Paulusschüler geschrieben wurde, kennt diese Verbindung. „Denn ihr wart früher Finsternis, nun aber seid ihr Licht in dem Herrn“, heißt es dort im Blick auf die Taufe. Jetzt gilt es, als Kinder des Lichts zu „wandeln“, also im Alltag so zu leben, wie es dem Glauben an Christus entspricht. Und damit niemand sagen kann: Ich weiß nicht, wie man das macht, nennt der Verfasser die Früchte des Lichts gleich beim Namen: Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.

Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit – das sind große, aber auch sehr allgemeine Begriffe. Für den Gebrauch im Alltag müssen sie, wie große Geldscheine, in kleine Münzen eingewechselt werden. Dann aber zeigt sich schnell, dass es kaum eine alltägliche Situation, Begegnung oder Entscheidung gibt, in der es nicht um Güte, Gerechtigkeit oder Wahrheit geht. Jedes abschätzige Wort, das unausgesprochen bleibt, jeder Verzicht auf einen egoistischen Vorteil, jedes hilfreiche und vermittelnde Eingreifen zugunsten anderer ist ein Beitrag, Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit zu verwirklichen. Oft sind das Kleinigkeiten. Aber nur was im Kleinen anfängt, kann auch im großen Maßstab gelingen.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (18.-24.7.2021)

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ (Epheser 2,19)

Dieser Vers bringt uns in Kontakt mit einem überaus konfliktreichen Thema der Alten Kirche. Als das Christentum in Israel seinen Anfang nahm, kamen einerseits jüdische Menschen zum Glauben an Christus und andererseits sogenannte Heiden, also andersgläubige Nichtjuden. Das Zusammentreffen verursachte heiße Diskussionen. Sollten die Heiden erst Juden werden, um dann Christen sein zu können? Waren die Heiden nicht ausgeschlossen von den Verheißungen Gottes an sein Volk Israel? Um die Lösung dieser Fragen wurde intensiv gerungen, und hier im Epheserbrief lautet die erlösende Botschaft für die Heiden: Ihr habt das volle Bürgerrecht im Haus Gottes, weil Christus den trennenden Zaun eingerissen und für euch den Zugang zu Gott freigemacht hat.

Der Konflikt von damals hat sich heute erledigt, weil wir sozusagen alle Heidenchristen sind und nur im Ausnahmefall vorher Juden waren. Trotzdem könnte der Wochenspruch Anlass geben, Zäune in den Blick zu nehmen, die vielleicht neu errichtet wurden. Steht die Kirche allen offen, die einzutreten wünschen? Oder werden da trennende Unterschiede gemacht zwischen Kirchennahen und Kirchenfernen, zwischen Kerngemeinde und Randgemeinde? Darf es solch unterscheidende Rede überhaupt geben, wenn doch alle Christen Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen sind?

Gedanken zum Spruch der Woche (11.7.-17.7.2021)

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

In der Hitliste der beliebtesten Taufsprüche steht dieser Vers aus dem Jesaja-Buch seit langem ganz oben. Eltern fühlen sich mit ihren Hoffnungen und Sorgen im Blick auf die Zukunft ihres Kindes von diesem Wort persönlich angesprochen, das Schutz verheißt und Geborgenheit ausstrahlt.

Von der christlichen Taufe wusste der alttestamentliche Prophet noch nichts. Aber in seinen Worten, die ursprünglich an die Israeliten im babylonischen Exil gerichtet waren, kommt doch einiges von dem zur Sprache, was in der Taufe geschieht: Auch bei ihr geht es um Erlösung und Befreiung, um persönliche Zugehörigkeit, in diesem Fall zu Jesus Christus durch die Eingliederung in seine Gemeinde. Die ersten Christen haben das so ausgedrückt: „Gott hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.“ (Kolosser 1,13) Da sie als Erwachsene getauft wurden, erlebten sie den damit verbundenen Wechsel der Herrschaft über ihr Leben ganz bewusst.

Uns fehlt diese Erfahrung in den meisten Fällen. Umso wichtiger ist es, Anlässe zu nutzen, die uns an unsere Taufe erinnern und uns zur Klärung helfen, was es für uns bedeutet, getauft zu sein – sei es an besonderen Orten wie dem „Erlebnisraum Taufe“ in der Stiftskirche Obernkirchen, sei es auch bei jeder Taufe, die in unseren Sonntagsgottesdiensten gefeiert wird. Dazu besteht übrigens ab sofort wieder öfter Gelegenheit…

 

Gedanken zum Spruch der Woche (4.7.-10.7.2021)

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8)

In der Bibel ist viel von Rettung die Rede, je nachdem von Rettung aus Lebensgefahr, von Rettung aus einer scheinbar aussichtslosen Lage, von Rettung als Hilfe und Bewahrung. Doch auf welche Art von Rettung bezieht sich der Vers aus dem Epheserbrief? Tatsächlich auf die umfassendste Rettung, die man sich vorstellen kann: auf die Rettung aus der Gottesferne, auf die Rettung vor dem Nichts. Mitten im Leben hier kann man schon tot sein, heißt es vorher im Epheserbrief. Zwar kann man sich dabei sehr lebendig fühlen durch viele Aktivitäten und Erlebnisse, aber über den flüchtigen Augenblick hinaus stellt sich immer die Frage: Was davon hat Bestand? Geben wir dadurch unserem Leben eine bleibende Bedeutung?

Etwas Bleibendes können wir unserem Leben gar nicht geben. Ohne Gott wird es eines Tages enden, wir werden über kurz oder etwas länger vergessen sein, und falls wir uns einbilden, Gott müsste unser Lebenswerk honorieren und mit Ewigkeit belohnen, so irren wir uns gewaltig. Ob wir uns nun etwas mehr oder weniger angestrengt haben, so haben wir Gott doch in unserem Leben zu oft verfehlt und sind ihm nicht gerecht geworden. Aber das brauchen wir auch nicht, um der Bedeutungslosigkeit zu entgehen. Gott rettet uns davor von sich aus, weil er gnädig mit uns umgeht. Damit wir dies spüren, schenkt er uns den Glauben. So können wir in einem guten Gottvertrauen unser Leben gelassen und frei gestalten, was uns davor bewahrt, der Diktatur, alles und uns selber ständig optimieren zu müssen, anheimzufallen.

Gedanken zum Spruch der Woche (27.6.-3.7.2021)

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2)

Geteiltes Leid ist halbes Leid“, sagt ein Sprichwort. Einander beistehen, Anteil nehmen an Trauer und Sorgen, tragen helfen, was den anderen beschwert – das sind Gebote der Mitmenschlichkeit, die nicht nur für Christen gelten.

Wenn Paulus dazu auffordert, dass „einer des anderen Last tragen“ soll, denkt er aber noch an etwas anderes. Das zeigt der Zusammenhang, in dem die Ermahnung steht: „Wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird“, heißt es unmittelbar vorher, „so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid.“ Es geht also weniger um Lasten, die Einzelnen auferlegt sind, als um die Belastung, die ihr Verhalten für andere darstellt. Egoistisches oder unmoralisches Handeln kommt auch unter Christen vor. Für den Apostel ist entscheidend, dass eine christliche Gemeinde so damit umgeht, wie es ihrem Glauben entspricht; sich nicht über andere und ihre Fehler erhebt, der Auseinandersetzung aber auch nicht ausweicht, sondern beharrlich nach einer Lösung sucht, die dem Schuldigen hilft und dem Zusammenleben der Gemeinschaft dient.

Dass das mühsam ist und unter Menschen oft misslingt, weiß der Apostel aus eigener Erfahrung. Aber Christen ist der Beistand des Heiligen Geistes zugesagt. Wenn wir ihn bei uns wirken lassen, befähigt er uns dazu, das „Gesetz Christi“ zu erfüllen, jene Grundregel also, nach der Jesus selbst gehandelt hat und die auch für Paulus lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Galater 5,14) – auch wenn er dir des Öfteren auf die Nerven geht.

Gedanken zum Spruch der Woche (20.6.-26.6.2021)

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10)

An diversen Stellen des Evangeliums spricht Jesus von sich als dem „Menschensohn“, anknüpfend an eine seit dem Spätjudentum erwartete Gestalt der messianischen Zeit. Jesus ist nun als dieser Menschensohn gekommen mit der Absicht, die Verlorenen zu suchen und selig zu machen.

Der Kontext dieses Satzes ist die Geschichte von Zachäus, dem Oberzöllner, der es auf Kosten anderer zu beträchtlichem Reichtum gebracht hat und bei dem Jesus sich zum Essen einlädt, sehr zum Missfallen derer, die meinen: „Mit so einem pflegt man doch keinen Umgang!“ Zachäus aber findet durch Jesu Akzeptanz den Weg, aus dem Teufelskreis von Bereicherung und Ausgrenzung auszusteigen. Er will abgeben von seinem Vermögen und Wiedergutmachung leisten.

Es ist eine von diesen Geschichten, die uns einlädt, die verschiedenen Rollen für uns durchzuspielen. Wer sind wir je nachdem? Verlorene, weil schuldhaft oder unschuldig Ausgegrenzte, die ihre Hoffnung auf Jesu Hilfe setzen? Oder solche, die Jesus nachfolgen, um in seinem Namen die Verlorenen zu suchen und selig zu machen durch Umkehr und Integration? Oder auch schonmal solche, die abwertend und neidisch reagieren, wenn „Unwürdige“ bei Jesus auf Verständnis stoßen? Mit dieser Geschichte wird man nie fertig, sie ist wie ein Katalysator unseres Glaubenslebens in Beziehungen.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (13.6.-19.6.2021)

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Für Martin Luther war dieses Wort ein „tröstlich schönes Evangelium“, das „jeder Christ auswendig wissen sollte“. Tatsächlich haben Menschen darin immer wieder Trost gefunden, wenn sie ihr Leben beschwerlich fanden, sich durch körperliches oder seelisches Leiden belastet fühlten und nach Entlastung sehnten.

Ursprünglich hat dieses Wort Jesu jedoch eine engere Bedeutung. Es steht im Zusammenhang seiner Auseinandersetzung mit Schriftgelehrten und Pharisäern. Sie hielten die Vollmacht, mit der Jesus auftrat, für Anmaßung und warfen ihm vor, es mit den Geboten Gottes nicht ernst genug zu nehmen. Umgekehrt gab Jesus ihnen zu verstehen, dass der Perfektionismus, alle religiösen Vorschriften buchstäblich zu erfüllen, deren eigentliches Ziel aus den Augen verliert und aus den lebensdienlichen Geboten Gottes ein lebensfeindliches Gesetz macht.

Sklavische Orientierung an Normen, Selbstbestätigung durch Leistung, Optimierung bis zur Perfektion, ohne mit dem Erreichten zufrieden zu sein, sind als menschliche Verhaltensmuster stets aktuell, nicht nur in der Religion. Frommen Perfektionisten und gestressten Ungläubigen gilt Jesu Einladung, die wörtlich übersetzt lautet: „Kommt alle zu mir, die ihr euch abmüht und belastet seid, ich will euch Ruhe geben.“ Zur Ruhe kommen soll, was uns antreibt und überfordert – das Hamsterrad der Leistung, der Zwang zu Optimierung, Beschleunigung und Effizienz, damit wir frei werden, Gott zu lieben von ganzem Herzen und die Nächsten wie uns selbst. Wie das geht? Das, meint Jesus, können wir lernen, wenn wir seinem Beispiel folgen.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (6.6.-12.6.2021)

Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich.“ (Lukas 10,16a)

Wahrscheinlich hat es auch bei Ihnen schonmal an der Tür geklingelt, und dann standen zwei Zeugen Jehovas vor der Tür und wollten missionieren. Ihr Verhalten wirkt in unserem Kulturkreis eher befremdlich, so dass man sich fragt: Wie kommen die darauf, sich so zu benehmen? Das wiederum hat etwas mit dem Kontext zu tun, in dem unser Wochenspruch steht. Jesus schickt 72 Jünger los, damit die jeweils zu zweit in den umliegenden Städten das nahende Reich Gottes verkünden. Sie sollen dazu die Häuser der Bewohner aufsuchen. Das also haben sich die Zeugen Jehovas hierbei abgeschaut.

Aber dann geht es bei Jesus doch sehr anders weiter. Die Jünger sollen den Bewohnern Gottes Frieden bringen. Wenn sie irgendwo als Gäste aufgenommen werden, sollen sie sich bescheiden verhalten und von ihrem Domizil aus im öffentlichen Raum predigen und die Kranken pflegen. Die 72 nehmen ihren Auftrag dann an, aber doch mit mulmigen Gefühlen: Wie wird es ihnen wohl dabei ergehen? Jesus redet ihnen gut zu. Auch wenn ihr jetzt ohne mich losgeht, dann gilt trotzdem: Wer euch hört, der hört mich. Und wenn ihr Ablehnung erfahrt, dann liegt es nicht an euch, sondern daran, dass die Leute meine Botschaft ablehnen. Fast scheint es, als wäre die Aussendung eine Art Trainingsübung für die Mission nach Ostern. Jedenfalls gelingt sie, denn die 72 kommen ganz euphorisch zurück. In Jesu Namen konnten sie viel bewirken. Also, nur Mut zum Verkündigen des Reiches Gottes!

Gedanken zum Spruch der Woche (30.5.-5.6.2021)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ (2.Korinther 13,13)

Dieser Schlussvers des 2. Korintherbriefs, heute oft als „Kanzelgruß“ vor der Predigt gesprochen, ist eine von mehreren Stellen im Gottesdienst, an denen Gott (der Vater), Christus (der Sohn) und der Heilige Geist in einem Atemzug genannt werden. Im Bekenntnis zu Vater, Sohn und Heiligem Geist kommt das Besondere und Einmalige des christlichen Glaubens zum Ausdruck: Wir glauben an einen Gott in drei „Personen“, wie die Kirchenväter sagten. Das kann zu dem Missverständnis führen, die Christen würden an drei Götter glauben. So ist es natürlich nicht gemeint. Aber wie dann?

Um die Formel „ein Gott in drei Personen“ zu verstehen, muss man wissen, dass „persona“ in der Antike nicht das einzelne menschliche Individuum meinte, sondern die Maske, die Schauspieler auf der Bühne trugen. So konnte derselbe Schauspieler in einem Stück mehrere Rollen spielen. Auch der eine und einzige Gott zeigt sich in der Geschichte in unterschiedlichen Gestalten. Den ersten Christen wurde klar, dass in Jesus von Nazareth kein neuer Prophet Gottes, sondern Gott selbst erschienen war, und dass in dem Geist, der am Pfingsttag über sie kam, keine unpersönliche Kraft, sondern Gott selbst wirkte. Die Theologen der alten Kirche schlossen dann aus der dreifachen Offenbarung Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist auf Gottes inneres Wesen – dass also Gott in sich selbst Beziehung und Gemeinschaft ist, liebevolle Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn in der Gemeinschaft des Geistes. So entstand die Lehre von Gottes „Dreieinigkeit“ oder Trinität, die am Sonntag nach Pfingsten mit einem eigenen Fest – Trinitatis – gefeiert wird.

Die Rede von Gottes Dreieinigkeit soll das Geheimnis des göttlichen Wesens nicht auflösen. Sie kann aber ein Hinweis sein: Gott ist in sich so, wie er an uns wirkt. Weil er selbst Gnade, Liebe und Gemeinschaft ist, können wir seiner Gnade, Liebe und Gemeinschaft gewiss sein, die Paulus den Korinthern zuspricht. Und darum ist das Dreieinigkeitsfest nicht nur für Freunde theologischer Spekulation, sondern für die ganze Gemeinde ein Grund zum Feiern.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (23.5.-29.5.2021)

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Sacharja 4,6b)

Es ist das Wirken und Vollenden durch Gottes Geist, das diesen Vers als Wochenspruch für Pfingsten so passend macht. Aber das soll uns nicht hindern zu fragen: Was soll durch den Geist des HERRN Zebaoth (Herr der Heerscharen/Herr der Mächte als Gottesbezeichnung) geschehen? Offenbar etwas, wofür die damals üblichen Mittel wie Militär oder Befehlsgewalt entweder ungeeignet sind oder schlicht nicht zur Verfügung stehen.

Und tatsächlich! Es geht zur Zeit des Propheten Sacharjas um ein Problem, dessen Bewältigung auf große Schwierigkeiten stößt. Nach der Rückkehr aus dem Exil soll der Tempel wieder aufgebaut werden. Wie wichtig dieses Projekt damals ist, davon lässt uns der Wiederaufbau der Twin Towers in New York nach dem 11. September etwas ahnen. Aber damals geht es nicht vorwärts mit der Verwirklichung des Traums. Und erzwingen kann man ihn auch nicht. Gott bestätigt dann diese Einschätzung durch den Propheten und stellt gleichzeitig die Vollendung des Baus durch seinen Geist in Aussicht. Und wie vollzog sich das? In diesem Fall durch den langen Atem, also mit viel Geduld über etliche Jahre. Stein auf Stein, alles ehrenamtlich, bis man fertig war. Und das Ganze in Bescheidenheit (!) einige Nummern kleiner als der Vorgängerbau unter Salomo.

Wenn man jetzt die Brücke schlägt zu uns und zu unseren Erwartungen an den Geist Gottes, dann könnten die Geistwirkungen von damals ja auch in eigenen Zusammenhängen mobilisierend wirken. Da wo es sich festgefahren hat, wo man es aber nicht erzwingen kann, da wo sich etwas nicht wie geplant umsetzen lässt. Könnte Geduld weiterhelfen? Könnte Bescheidenheit die Tugend der Wahl sein? Gottes Geist weiß, was wir jeweils brauchen.

Gedanken zum Spruch der Woche (16.5.-22.5.2021)

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12,32)

Im Johannesevangelium werden öfter doppeldeutige Begriffe gebraucht, um den Zusammenhang des Wirkens Jesu mit Gottes Handeln deutlich zu machen. Wenn Jesus sagt, dass er „von der Erde erhöht wird“, dann weist er vordergründig auf das Kreuz hin, an dem er über den Köpfen der Vorübergehenden hängen wird und stirbt. Aber zugleich ist auch seine Erhebung in die Herrlichkeit Gottes gemeint, bildlich gesprochen: seine „Himmelfahrt“. Für den Evangelisten fällt beides zusammen, Karfreitag und Himmelfahrt, Jesu Tod am Kreuz und seine Erhöhung „zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt.

Der irdische Jesus wird so zum himmlischen Herrn der ganzen Welt. Seine Jünger bleiben auf der Erde zurück, doch die Verbindung zu ihnen reißt damit nicht ab. Mit der Ankündigung: „so will ich alle zu mir ziehen“ verspricht Jesus, dass seine Beziehung zu denen, die an ihn glauben, den Tod überdauert. Ihr Platz soll an seiner Seite sein, so wie sein Platz an der Seite Gottes. „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen“, bittet Jesus vor seinem Gang ans Kreuz (Johannes 17,24).

In der Zwischenzeit bleibt Jesus den Seinen gegenwärtig durch den Heiligen Geist, den er als Tröster und Beistand sendet. Der Geist lehrt die christliche Gemeinde, ihr himmlisches Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und gleichzeitig aneinander Liebe zu üben, solange wir in dieser Welt leben. Das Kommen dieses Geistes feiern wir zu Pfingsten, dem Geburtstagsfest der Kirche. Freuen wir uns und seien wir darauf gefasst, dass er auch zu uns kommt!

 

Gedanken zum Spruch der Woche (9.5.-15.5.2021)

"Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Dieses Psalmwort ist passend ausgesucht zum Sonntag Rogate/Betet. Beten ist Ausdruck des Glaubens, des Gesprächs mit Gott im Danken, im Bitten für mich selber, in der Bitte für andere, im Schuldbekenntnis, in der Bitte um Vergebung, in der Reflektion meines Denkens, Fühlens und Handelns vor Gott, im Fragen nach seinem guten Willen.

So weit, so gut, aber nun werde ich stutzig: Gott loben dafür, dass er mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet? Hätte Gott denn Grund dazu, mein Gebet abzulehnen und mir seine Güte zu entziehen? In Psalm 66 heißt es kurz vorher: „Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen, so würde der Herr nicht hören.“ Die Frage mag jetzt unangenehm sein, aber wäre es möglich, dass wir beim Beten auchmal Unrechtes vorhaben im Herzen? Wohl nicht in einem so plakativen Sinne wie die Bitte um das Gelingen eines Bankraubes oder des Durchwinkens einer frisierten Steuererklärung. Doch wenn wir in uns gehen, dann werden wir – gerade in der Rückschau – auch so manches Mal feststellen, wie selbstsüchtig oder kurzsichtig unsere Bitten an Gott waren/sind. So gesehen können wir uns glücklich schätzen, dass Gott uns diese Fixierung auf uns selbst nicht übel nimmt.

Unser Beten sollte darauf ausgerichtet sein, uns mit dem guten Willen Gottes in Einklang zu bringen. Unlängst schrieb mir eine über 90-jährige Dame: „Wenn ich nach so vielen Jahrzehnten zurückblicke, muß ich feststellen, daß nichts meinen Wünschen und Plänen entsprechend geschah, da Gott immer besser wußte, was mir wirklich zugute kommen wird.“ Ist das nicht ein bemerkenswertes Fazit nach so einem langen Leben?

Gedanken zum Spruch der Woche (2.5.-8.5.2021)

"Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder." (Psalm 98,1)

Viele Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes vermissen das gemeinsame Singen sehr – zumal wir in den Psalmen, so auch im Wochenspruch zum Sonntag „Kantate“, immer wieder zum Singen aufgefordert werden. Wenn etwas, was bislang selbstverständlich war, nicht mehr sein darf, wird uns erst richtig bewusst, welchen Wert es für uns hat. So ist das verordnete Schweigen eine Gelegenheit, über die Bedeutung des Singens im Gottesdienst nachzudenken.

Singen kann man aus vielen Gründen und zu allerlei Anlässen. Im Gottesdienst ist der Gesang meist Ausdruck des Lobes Gottes und des Dankes für sein Handeln: „…denn er tut Wunder.“ Das Vorbild im Alten Testament ist das Lied, das Moses Schwester Mirjam nach der geglückten Flucht Israels aus Ägypten anstimmt (2.Mose 15,21): „Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan!“ In der christlichen Gemeinde ist das Kommen Jesu Christi zur Erlösung der Menschen von Schuld und Tod die „große Wundertat“ Gottes (Luther), auf die sie mit dankbaren Gesängen antwortet.

Und warum ein „neues“ Lied? Weil die „Wunder“, die Gott tut, darauf ausgerichtet sind, Neues zu schaffen. In Christus setzt er mit den Menschen einen neuen Anfang, den „neuen Bund“. Wer an Christus glaubt, ist schon jetzt eine „neue Kreatur“ (siehe den Wochenspruch zur letzten Woche!). Und am Ende der Zeit erwarten wir den „neuen Himmel und die neue Erde“. Wenn unsere Lieder dieses Neue besingen, feiern, erbitten, dann sind und bleiben sie neue Lieder – selbst wenn sie, wie die Lieder Luthers, schon sehr alt sind.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (25.4.-1.5.2021)

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)

So allmählich fangen wir an, wieder im Wahlkampfmodus zu swingen. Und wie zu erwarten war, ist jetzt auch wieder viel von „Erneuerung“ die Rede. Wir ahnen ja bereits, dass da am Ende so viel Erneuerung – egal von wem – nicht sein wird und nicht sein kann, denn die Welt mit ihren komplexen und widerständigen Gegebenheiten bleibt auch nach der Wahl die alte. Trotzdem wirkt allein die Aussicht auf Erneuerung stimulierend. Darum arbeitet die (nicht nur politische) Werbung auch gerne mit dieser Verheißung. Eine neue Politik, eine neue Gesellschaft, ein neuer Mensch: Das hat noch jede Epoche in Aussicht gestellt.

Doch nun kommt Paulus und sagt, der neu geschaffene Mensch sei bereits geboren. Dabei ist nicht jeder eine neue Kreatur, aber derjenige, der mit Christus verbunden ist. Denn mit dem hat er eine neue Zukunft. Der alte Mensch ist der, zu dem Gott sagte: „Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.“ (1. Mose 3,19) Und: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ (1. Mose 8, 21). Der alte Mensch kann den Verstrickungen seines Herzens nicht entrinnen, ihm bleibt am Ende nur der Tod. Der neue Mensch aber nimmt teil an der Auferstehung Christi. Und der löst für ihn die Verstrickungen, weil Christus den Menschen von sich selbst befreit. Anders gesagt: Echte Erneuerung können wir Menschen nicht leisten. Das kann nur der einzig schöpferische Gott.

Gedanken zum Spruch der Woche (18.4.-24.4.2021)

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Johannes 10,11a.27-28a)

Das Motiv des „guten Hirten“, so bekannt es ist, gibt zu Missverständnissen Anlass. Das erste: Hirtenromantik. Seit Schäfer mit ihren Herden ein seltener Anblick geworden sind, macht man sich von ihrem Beruf oft idyllische Vorstellungen. Das zweite: Verniedlichung. Das Bild des Hirten Jesus mit dem Lamm auf der Schulter, das einst viele Wohnungen schmückte, läuft Gefahr, kindlich oder kitschig zu wirken. Und fördert so noch ein Missverständnis: Dass ich, „weil ich Jesu Schäflein bin“ (wie es in einem alten Lied heißt), ein willenloses Herdentier sein soll.

Tatsächlich hatte der Hirtenberuf zur Zeit Jesu nichts Idyllisches, sondern war harte Arbeit: Ein guter Hirte sorgte sich um das Wohl seiner Tiere, suchte die besten Weideplätze, verteidigte seine Herde gegen Viehdiebe und Raubtiere. Das erforderte ganzen Einsatz. Große Grundbesitzer stellten für ihre Herden Lohnhirten ein, die oft weniger Einsatz zeigten. Sie schafften auch schon mal ein Schaf für sich beiseite, und wenn ein Wolf in die Herde einfiel, ergriffen sie die Flucht.

Auf diesen Gegensatz nimmt die Bildrede Jesu vom guten Hirten Bezug, aus welcher der Wochenspruch nur drei Bruchstücke bietet (es lohnt sich, das Kapitel einmal ganz zu lesen!). Insgesamt geht es darin um die stets brisante Frage, ob politische und religiöse Autoritäten – für beide ist der Hirte ein traditionelles Symbol – das Vertrauen, das sie einfordern, wirklich verdienen, oder anders: aus welchen Gründen ich ihnen vertrauen soll. Blinder Gehorsam genügt nicht.

Auch Gottvertrauen ist nicht blind. Das Vertrauen des Beters im 23. Psalm („Der Herr ist mein Hirte…“) stützt sich auf die erfahrene Hilfe Gottes in Not und Gefahr. In der Bildrede Jesu ist es das wechselseitige Kennen, das Vertrauen stiftet. Die „Schafe“ Jesu – also: alle, die zur christlichen Gemeinde gehören – folgen ihm, weil sie wissen, dass er sein Leben für sie eingesetzt hat. Und deshalb vertrauen sie ihm, dass er sie auch zum ewigen Leben bei Gott führen wird.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (11.4.-17.4.2021)

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1,3)

Was für ein Satz! Man muss ihn schon einige Male lesen, um ihn zu verstehen (oder man zerlegt ihn wie die Basisbibel in drei Sätze, die aber dann in den Inhalt eingreifen). Versuchen wir, ihm in seinen Einzelaussagen auf die Spur zu kommen!

Am Anfang steht das Lob. Gott wird gepriesen, weil er uns etwas Großartiges geschenkt hat. Gott, der zugleich angesprochen wird als Vater Jesu Christi, hat uns beschenkt aus Barmherzigkeit. Also, wir haben keine Vorleistung erbracht. Wir werden nicht belohnt für irgendetwas, sondern wir werden aus reiner Güte beschenkt. Das Geschenk besteht in der Wiedergeburt zu einer lebendigen Hoffnung.

Doch bevor nun jemand meint, hier einen Hinweis auf „Seelenwanderung“ entdecken zu können, sei festgehalten: Dies liegt dem Schreiber des 1. Petrusbriefes völlig fern. Er geht eben nicht aus von Seelen, die eigenständig in verschiedenen Körpern zuhause sein können, sondern von Menschen, mit deren Tod Leib und Seele sterben. Als Menschen können wir an diesem Faktum nichts ändern. Nur Gott kann das. Zum Beweis dafür hat er Jesus Christus auferweckt von den Toten. Seine Auferstehung ist der Grund, weshalb wir hoffen können. Wir bleiben weiterhin sterbliche Menschen, aber mit dem Pfand der Auferstehung Jesu in der Hand, steht unser Leben jetzt unter einem neuen Vorzeichen: nicht auf Vergänglichkeit, sondern auf Ewigkeit ausgerichtet. Und das macht ganz viel aus, je länger man darüber nachdenkt...

Gedanken zum Spruch der Woche (4.4.-10.4.2021)

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offenbarung 1,18)

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ So grüßen Christinnen und Christen einander von alters her am Ostermorgen. Doch was ist gemeint, wenn wir uns zur Auferstehung Jesu bekennen? Der Wochenspruch enthält drei wichtige Antworten, die der Seher Johannes in seiner Offenbarung aus dem Mund des himmlischen Christus hört:

Erstens: „Ich war tot.“ Jesus ist am Karfreitag wirklich gestorben, wie alle Menschen sterben. Er war nicht nur scheintot. Er ist am Ostermorgen nicht aus einer Art Koma erwacht. Seine Auferstehung lässt sich auch nicht mit dem Frühlingserwachen der Natur vergleichen und als „Sieg des Lebens“ feiern. Das ist modernes Heidentum. Jesus lebt, weil Gott ihn von den Toten auferweckt hat.

Zweitens: „Ich bin lebendig in Ewigkeit.“ Der Auferstandene, der zu Ostern lebendig erschienen ist, war kein wiederbelebter Leichnam, der – noch einmal in das Leben zurückgekehrt – doch von Neuem sterben müsste, und kein Gespenst, das sich hier und da als Spuk zeigte. Sein Leben ist neue Schöpfung, neugeschaffenes Leben aus Gott. Es ist ewiges Leben, weil Gott ewig und unvergänglich ist.

Drittens: „Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Diese Botschaft gilt uns, deren Leben der Vergänglichkeit und dem Tod geweiht ist. In der Vorstellungswelt der Bibel sind die Toten in der „Hölle“, der Unterwelt, eingeschlossen und von Gott getrennt. Der auferstandene Christus schließt das Totenreich auf und öffnet den Zugang zu einem unvergänglichen Leben in der Gemeinschaft mit Gott: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Das bekennen wir, wenn wir sagen: Christus ist auferstanden.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (28.3.-3.4.2021)

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Johannes 3,14b +15)

Dieser Vers könnte irritieren. Schließlich war letzte Woche noch von dem dienenden Menschensohn die Rede. Und jetzt muss er erhöht werden? Beides, Dienen und Erhöhung sind die zwei Seiten einer Medaille, die „Rettung“ heißt. Deutlicher wird dies, wenn man Vers 14a dazunimmt (Kürzungen verkürzen eben auch manchmal). Der Anfang lautet nämlich: „Wie Moses in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden...“ Mose? Schlange? In 4. Mose 21 wird erzählt, wie das Volk Israel in der Wüste von einer Schlangenplage heimgesucht wurde. Viele Menschen starben, bis Mose auf Gottes Geheiß eine eiserne Schlange als Standbild aufrichtete. Wer diese anschaute, wurde gesund. Übertragen auf Jesus heißt das: Sein Kreuz wird aufgerichtet wie einst die eiserne Schlange. Wer auf den so erhöhten Gekreuzigten blickt – glaubend natürlich -, wird von den tödlichen Bissen der Schuld gerettet. Zugleich bleibt es aber nicht beim Kreuz stehen, sondern Jesu Tod daran ist Erfüllung seines Auftrags und Rückkehr/Erhöhung zum Vater, der ihn zuvor in die Welt gesandt hatte. Und jetzt kommt die typisch johanneische Pointe: Wer so an Christus glaubt, der hat das ewige Leben. Und zwar jetzt schon und nicht erst nach dem irdischen Ableben. Ändert sich dadurch nicht die Einstellung zum eigenen Leben? Wenn man weiß, dass man selber nicht nur auf den Tod in der Zeit zugeht, sondern gleichzeitig schon ewiges Leben hat?

Gedanken zum Spruch der Woche (21.3.-27.3.2021)

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20,28)

Dienen steht nicht hoch im Kurs. Das Wort „Diener“ hat etwas Abschätziges; sog. Dienstleistungsberufe genießen kein großes Ansehen und werden schlecht bezahlt. Zur Zeit Jesu war das Dienen oft Aufgabe unfreier, rechtloser Sklaven. Die antike Gesellschaft war aufgeteilt in Oben und Unten, Herren und Knechte. In der Religion waren Götter und Göttinnen die Herren, denen die Menschen mit Ergebenheit und Opfern zu dienen hatten.

Wenn Jesus von sich sagt, dass er, der von Gott gesandte „Menschensohn“, nicht gekommen sei, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen, dann stellt er die soziale und religiöse Ordnung der damaligen Welt auf den Kopf. Noch unerhörter ist, worin sein Dienst besteht: in dem Einsatz seines Lebens, um die Menschen aus der Knechtschaft zerstörerischer Mächte zu befreien. Ein Gott, der dient, anstatt zu herrschen, ist ein Unding. Die Vertreter der sozialen und religiösen Ordnung fürchten um ihre Macht und gehen gegen Jesus vor. Sie töten ihn sogar. Aber gegen seine Auferweckung von den Toten sind sie machtlos.

Damit hat das Herrschen seinen Zauber und das Dienen seinen Makel verloren. Jesus ermutigt seine Jünger, seinem Beispiel zu folgen: „Wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener.“ Das ist die neue, göttliche Ordnung der Welt. Die alten Götzen, die sich nur auf das Herrschen verstehen, haben „ausgedient“.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (14.3.-20.3.2021)

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)

In welchem Zusammenhang steht dies Jesuswort? Jesus ist gerade mit maximaler Aufmerksamkeit unter lautem Jubel in die Stadt Jerusalem eingezogen. Jetzt versucht eine Gruppe von Griechen, näher an ihn ranzukommen, um ihn persönlich kennenzulernen. Sie sprechen zwei Jünger an, damit die ihr Anliegen Jesus vermitteln. Als Jesus der Wunsch vorgetragen wird, grenzt er sich ab. Erstens: Dies ist der falsche Zeitpunkt. Denn jetzt ist die Stunde der Verherrlichung. Zweitens: Verherrlichung meint, dass das Weizenkorn/Jesus sterben muss, um viel Frucht zu bringen. Wer also den wirklichen Jesus kennenlernen will, der muss sich an den Gekreuzigten halten. Wer eine Beziehung zu Jesus finden will, der muss wie ein Weizenkorn etwas von sich abgeben, um Früchte zu tragen. - Es mehren sich die Berichte, dass es in den reichen Industrienationen eine wachsende Zahl vereinsamender Menschen gibt. Offenbar führt ein Maximum an Individualisierung zunehmend zu einem Beziehungs- und Sinnverlust. Mehr von sich selbst absehen zu können, mehr Hingabe, weniger ängstliche Fixierung auf das Eigene könnten aus dem Alleinbleiben erlösen.

Gedanken zum Spruch der Woche (7.3.-13.3.2021)

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9,62)

Das leuchtet ein: Wer beim Pflügen nach hinten statt nach vorne sieht, kann keine gerade Furche ziehen. Auch im Straßenverkehr empfiehlt es sich, nach vorne zu schauen, sonst riskiert man einen Unfall. Aber was hat das mit dem Reich Gottes zu tun?

Das Reich Gottes, von dem Jesus spricht, ist ein einmaliges Angebot. Wer sich an die Worte Jesu hält, soll von allem, was ihn belastet, frei werden und Frieden mit Gott und seinen Mitmenschen finden. Aber man muss sich jetzt entscheiden, alles auf eine Karte setzen sich ganz auf dieses Ziel konzentrieren. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit“, sagt Jesus. Einige, die ihm damals begegnet sind, waren dazu bereit; andere nicht.

Und wir? Uns treffen Jesu Worte nicht mehr unversehens und überraschend. Wir werden auch nicht aufgefordert, alles stehen- und liegenzulassen, um Jesus zu folgen, wie seine Jünger. Entscheidungen werden aber auch von uns erwartet. Die Passionszeit ist eine Gelegenheit, sich zu fragen: Was hat in meinem Leben Priorität, und warum? Was bedeutet mir mein Christsein? Bin ich bereit, für meinen Glauben anderes zurückzustellen? Welche Bindungen und Gewohnheiten halten mich fest, so dass ich mich nicht davon lösen kann? Ehrlich und selbstkritisch zu sein, tut manchmal weh. Aber es hat eine Verheißung: Freiheit und Frieden in Gott zu finden.

Gedanken zum Spruch der Woche (28.2.-6.3.2021)

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8)

Was tut man nicht alles aus Liebe? Sich mitten in der Nacht aus dem Bett quälen, um Kaffee zu kochen für den Liebsten, der zur Frühschicht muss. Das verschüttete Schulwissen wieder ans Licht holen, um dem Kind beim Homeschooling zur Seite zu stehen. Geduldig und interessiert zum zwanzigsten Mal die Geschichte aus dem Mund der vergesslich gewordenen Oma anhören. Der schwerkranken Ehefrau eine eigene gesunde Niere spenden. Wir Menschen tun Gott sei Dank vieles aus Liebe, oft sehr nachhaltig, manchmal ganz spektakulär, wenn es die Not gebietet. Warum wir das tun? In der Regel deshalb, weil uns bestimmte Menschen das wert sind. Wir wollen sie unterstützen, ihnen Achtung erweisen, ihr Leben behüten. Das hat etwas Göttliches. Und doch geht Gottes Liebe über unsere an zwei entscheidenden Punkten hinaus. Er liebt im Gegensatz zu uns alle Menschen (und das, ohne dass sie sich als liebenswert erwiesen hätten) und ließ sich für alle töten (ohne dass das jemand verdient hätte). So handelt nur Gott. Und wir können uns daran festhalten. Egal, wo wir gerade mit uns und der Welt stehen: Wir sind bedingungslos geliebt.

Gedanken zum Spruch der Woche (21.2.-27.2.2021)

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Johannes 3,8b)

Im Kirchenjahr hat die „Passionszeit“ begonnen, jene sieben Wochen vor Ostern, in denen in Gottesdienst, Predigt und Bibellese an den Leidensweg Jesu erinnert wird. Manche Menschen tun sich schwer mit dieser Erinnerung – zu dunkel, zu grausam, zu bedrohlich. Und andere fragen: Passion – muss das sein? Warum sollte jemand „für mich“ leiden und sterben?

Der Wochenspruch weitet den Horizont über persönliche Fragen hinaus: Jesus, der Sohn Gottes, ist in die Welt gekommen, um die „Werke des Teufels“ zu zerstören. Im Neuen Testament repräsentiert der „Teufel“ Mächte und Kräfte, die gegen Gott rebellieren. Das Aufbegehren gegen Gottes Willen, die „Sünde“, begleitet auch die Geschichte der Menschen von Anfang an. Sie führt dazu, dass Menschen einander Böses antun und mit Bösem vergelten, sodass Unrecht und Gewalt überhand nehmen, weil sich die Folgen böser Taten nicht mehr eindämmen lassen. Die Sünde wird zu einer Zwangsgewalt, die Menschen beherrscht und zerstört.

Jesus ist in die Welt gekommen, um diesen Teufelskreis aufzubrechen. Er tritt mit seinem Leben für Gottes Liebe zu den Menschen ein. Er liefert sich ihrem Hass und ihrer Bosheit aus, ohne auf Vergeltung zu sinnen. Durch die Passion Jesu verlieren die Mächte der Zerstörung ihr wirkungsvollstes Herrschaftsinstrument. Das ist gut für uns: Es öffnet uns den Weg, vom Bösen zu lassen und einander zu lieben. Vielleicht nicht immer. Aber immer öfter.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (14.2.-20.2.2021)

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Lukas 18,31)

Viele Monate ist Jesus mit seinen Jüngern kreuz und quer durch Palästina gezogen und hat den Anbruch des Reiches Gottes verkündigt. Nun steuert er mit ihnen das Ziel an, wo sich seine Mission vollenden wird: Jerusalem. Die Vollendung wird so aussehen, dass er ausgeliefert, misshandelt und getötet wird. Am dritten Tag aber wird er auferstehen. So kündigt es Jesus zum mittlerweile dritten Mal an, und immer noch verstehen seine Jünger kein Wort. Sie können oder wollen ihn nicht verstehen. Wie soll man auch verstehen, dass ein Unschuldiger, der Liebe predigt und lebt, umgebracht wird? Dass er sehenden Auges in den Tod geht? Dass der Messias am Ende der große Loser ist? Und dass das alles bei Gott einen höheren Sinn hat?

Wir stehen vor dem Beginn der Passionszeit. Diese Zeit gibt uns Gelegenheit, die Leidensgeschichte Jesu nachzuvollziehen, um hoffentlich besser zu begreifen, als es die Jünger seinerzeit konnten. So wird hier in den kommenden Wochen abschnittweise die Passion zu lesen sein, wie Lukas sie erzählt, verbunden mit ein paar Gedanken und Fragen zur weiteren Vertiefung.

Gedanken zum Spruch der Woche (7.2.-13.2.2021)

Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht. (Hebräer 3,15)

Bereits am Ende des 1. Jhdts. nach Christus machten sich in den christlichen Gemeinden Zeichen von Resignation bemerkbar: Die Welt hatte sich nicht geändert, die versprochene Zukunft des Reiches Gottes blieb aus, und in der Gesellschaft gerieten die Christen immer mehr unter Druck. Hatte das Christsein noch eine Perspektive? So fragte man schon damals.

Der anonym überlieferte Hebräerbrief, eine Mischung aus Abhandlung und Predigt, vergleicht die Kirche in seiner Zeit mit dem Volk Israel auf der Wanderung durch die Wüste: Mit Gottes Verheißungen im Ohr, das Ziel des gelobten Landes vor Augen, war man voller Enthusiasmus aus Ägypten aufgebrochen. Doch der Weg war beschwerlich und scheinbar endlos, und hinter den Mühen und Gefahren des Marsches geriet das Ziel aus dem Blick. Damals musste Mose das Volk mahnen, nicht an der Geltung der Zusagen Gottes zu zweifeln: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!“

Der Hebräerbrief greift die Worte des Mose auf und aktualisiert sie als Mahnung für die christliche Gemeinde, nicht in Abwehr und Trotz zu erstarren. Was würde er wohl heute sagen? Vielleicht dies: Vertraut jeden Tag neu auf Gottes Liebe, die in Jesus Christus erschienen ist. Gebt euch nicht der Resignation hin, die zynisch macht und lähmt, sondern helft und ermutigt euch gegenseitig, die Hoffnung auf die neue Welt Gottes lebendig zu halten. Und jammert als Christen nicht ständig über leere Kirchen und die Gleichgültigkeit der Menschen, sondern bezeugt ihnen euren Glauben. Denn „es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen“.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (31.1.-6.2.2021)

Über dir geht auf der HERR und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2b)

Ich kann mir nicht helfen, der Wochenspruch wirkt so zitiert verkürzt und damit unverständlich. Wer geht da wo über wem auf? Wen spricht der Prophet, der sogenannte 3. Jesaja (weil in der Tradition seiner zwei Vorgänger stehend), da an? Man ahnt, dass er eine Metapher aus der Astronomie benutzt: das aufgehende Sonnenlicht am Morgen, das dem totalen Dunkel ein Ende macht und alles in strahlendes Licht taucht (so kann man es im Nahen Osten erleben). Da war also vorher kein Licht. Entsprechend die Worte, die dem Wochenspruch vorausgehen: „Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker.“ Jahwe, der Gott Israels geht aber nun auf wie die Sonne und schenkt Leben. Aber diese Sonne leuchtet an einer ganz bestimmten Stelle, nämlich über dem Zion, dem heiligen Berg Gottes in Jerusalem. Dort steht der Tempel, in dem Gott auf besondere Weise gegenwärtig ist. Und was geschieht, wenn alles im Dunkeln liegt, aber in der Ferne ein Licht hell aufscheint? Klar, die im Dunkeln streben hin zum Licht. Entsprechend die Worte im Anschluss an den Wochenspruch: „Und die Völker werden zu deinem Licht ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht.“ Das ist die Verheißung vom 3. Jesaja. Für mich auch ein Brückenkopf zu dem, was Jesus in der Bergpredigt zu uns sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Wenn das keine Verheißung ist! Menschen verlassen ihr Dunkel, weil ChristenInnen mit ihren Taten Anlass geben, sich auf das Licht auszurichten und Gott zu danken.

Gedanken zum Spruch der Woche (24.1.-30.1.2021)

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lukas 13,29)

Manche Menschen fragen, wenn sie eine Einladung erhalten, sofort, wer außer ihnen sonst noch eingeladen ist. Sind es Leute, die man nicht kennt oder nicht mag, sagt man besser ab.

Bei dem Reich Gottes, das Jesus ankündigt und das in seinem Wirken auf Erden schon anbricht, ist das nicht anders: Dieses Reich, Gottes neue Welt, steht allen offen, die sich entscheiden, die Einladung anzunehmen. Mit dieser Botschaft hat Jesus die Grenzen Israels, des auserwählten Gottesvolkes, gesprengt und Raum eröffnet für ein weltumspannendes Volk Gottes aus allen Himmelsrichtungen. Das hat schon damals nicht allen gepasst. Dass Herkunft oder Bildung, dass ein frommes, gottgefälliges Leben keinen Vorzug mehr vor Hinz und Kunz, vor „Zöllnern und Sündern“ bedeuten sollte, wollten sie nicht akzeptieren. Darum schlugen sie die Einladung aus.

In den Gleichnissen, die Jesus erzählt, hat er seine Einladung bekräftigt: Gott will, dass alle bekommen, was sie in dieser Welt zum Leben brauchen, und in der kommenden, neuen Welt Erlösung und ewigen Frieden finden können. Und Jesus verbindet diese Einladung mit einer Frage an seine Hörer, damals wie heute: Warum fällt es euch so schwer, auch anderen zu gönnen, was ihr für euch selbst wünscht? Es wird euch doch nichts genommen oder vorenthalten, wenn andere genau so viel bekommen wie ihr. An Gottes Tisch gibt es genug für alle.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (17.1.-23.1.2021)

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16

Normalerweise ist es so, dass Vorräte schwinden, wenn man davon nimmt. Das gilt für Plätzchen in der Keksdose genauso wie für Spareinlagen auf der Bank. Vorräte sind nicht per se unerschöpflich, sondern begrenzt. Entweder es wird nachgefüllt oder sie sind irgendwann verbraucht. Das gilt übrigens auch für zwischenmenschliche Beziehungen. Auch Geduld, Nachsicht, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft sind nicht ad libitum einseitig abrufbar. Wer immer nur nimmt, bekommt schließlich nichts mehr. Nur gegenüber Jesus, dem menschgewordenen Wort Gottes, ist das anders, weil Gott eben anders ist als wir, Gott sei Dank. Seine Liebe strömt unaufhörlich, seine Geduld ist unendlich strapazierbar und seine Vergebung jeden Tag neu. Und für jeden und jede, die davon nehmen möchten, ist genug da. Wir können satt werden. Niemand muss hungrig bleiben.

Gedanken zum Spruch der Woche (10.1.-16.1.2021)

Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. (Römer 8,14)

Von „Kindern Gottes“ spricht das Neue Testament in einem allgemeinen und in einem besonderen, christlichen Sinn. Wenn Jesus Gott unseren Vater nennt, dann sind für ihn alle Menschen Töchter und Söhne Gottes, weil sie seine Geschöpfe sind. Bei dem Apostel Paulus hat die Rede von „Gottes Kindern“ aber noch eine andere Bedeutung, und die hat mit der Taufe zu tun.

Als wir getauft wurden, hat Gott uns gewissermaßen „adoptiert“ und zu seinen Kindern erklärt. Mit der Gotteskindschaft sind Rechte und Pflichten verbunden: Wir gehören nun nicht mehr anderen Herren, auch nicht uns selbst, sondern sind Glieder einer großen Familie, der Familie Gottes, deren „Oberhaupt“ Christus ist. Damit haben wir das Recht erworben, Erben aller Verheißungen Gottes zu sein. Und als Unterpfand unseres künftigen Erbes, gewissermaßen als Vorschuss, schenkt uns Gott mit der Taufe schon jetzt seinen heiligen Geist, der uns leitet und führt, damit wir uns nicht mehr von anderen „Geistern“ treiben, ängstigen und verführen lassen.

Das alles ist geschehen, als wir getauft wurden. Darum ist es gut, sich immer wieder – Martin Luther meinte sogar: täglich – daran zu erinnern: „Ich bin getauft!“, um daraus Zuversicht, Trost und Orientierung zu schöpfen.

Jahreslosung 2021

Aus der Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ von Martin Luther:

Wohlan, mein Gott hat mir unwürdigem, verdammtem Menschen ohne alle Verdienste, rein umsonst und aus lauter Barmherzigkeit, durch und in Christus den vollen Reichtum aller Seligkeit gegeben, so dass ich hinfort nichts mehr bedarf als zu glauben, dass es so sei. Ei, so will ich solchem Vater, der mich mit seinen überschwänglichen Gütern so überschüttet hat, wiederum frei, fröhlich und umsonst tun, was ihm wohlgefällt, und meinem Nächsten gegenüber auch ein Christus werden, so wie Christus es mir geworden ist… Sieh, so fließt aus dem Glauben die Liebe und die Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges fröhliches Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen.“

 

Gedanken zum Spruch der Woche (27.12.2020-2.1.2021)

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14b)

Das Wort ward Fleisch, und wir sahen seine Herrlichkeit“ – so umschreibt das Johannes-Evangelium das Wunder der Menschwerdung Gottes. Mit der Geburt Jesu tritt die Herrlichkeit Gottes „voller Gnade und Wahrheit“ in die Welt ein. Doch sie erscheint in dem Kind in der Krippe, einem wehrlosen Säugling. Der christliche Glaube versucht, das Geheimnis dieses widerspruchsvollen Geschehens zu ergründen.

Unzählige Antworten sind auf die Frage nach dem Sinn von Weihnachten schon gegeben worden. Eine nicht ganz neue, aber für die Gegenwart unverändert aktuelle Antwort stammt von dem Schweizer Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti:

Weihnachten ist der radikale Einspruch des ‚richtigen‘ Gottes gegen das, was wir rücksichtslos zu tun im Begriffe sind. Dem Menschen, der Gott sein will, stellt sich ein Gott entgegen, der Mensch wird. Dem Menschen, der keine Grenzen respektiert, stellt sich ein Gott entgegen, der sich selber begrenzt. Dem Menschen, der an ein unendliches Wachstum glaubt, stellt sich ein Gott entgegen, der sich beschränkt. Dem Menschen, dessen Willen zur Macht vor nichts zurückschreckt, stellt sich ein Gott entgegen, der auf Macht und Gewalt verzichtet. Die Geburt im Stall von Bethlehem ist der heilige Widerspruch zur unheiligen Wertordnung und Verhaltensweise unserer Zivilisation...“.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (20.12.-26.12.2020)

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4.5b)

Die zweimalige Aufforderung „Freuet euch!“ mag manchem in diesem Jahr fehl am Platz erscheinen: Worauf soll man sich freuen angesichts von Pandemie, Lockdown, Kontaktbeschränkungen und abgesagten Gottesdiensten? Die Antwort des Paulus in seinem Brief an die Philipper ist eindeutig: „Der Herr ist nahe!“ Als Paulus das schreibt, befindet er sich im Gefängnis, und es ist ungewiss, ob er die Freiheit wiedererlangt. Doch die Vorfreude auf das Kommen Jesu Christi, des Herrn, zur endgültigen Erlösung von Angst, Not und Leid überstrahlt schon die Sorgen der Gegenwart mit allem, was das Leben jetzt noch verdunkelt.

Dietrich Bonhoeffer hat in seiner „Ethik“ zwischen den letzten und den vorletzten Dingen unterschieden. Diese Unterscheidung hat einen doppelten Sinn. Einmal zeitlich: Das „Vorletzte“ ist befristet und wird durch das „Letzte“ abgelöst werden. Noch bedeutender ist der qualitative Unterschied: Das „Vorletzte“ kann in der jeweiligen Situation äußerst dringlich erscheinen. Doch es ist so unbeständig und wandelbar wie unsere wechselnden Stimmungen. Das „Letzte“ ist das, was ewig gilt, weil Gott sich dafür verbürgt, und darum über unser Leben bestimmt.

Sorgen um Gesundheit oder wirtschaftliche Existenz sind dringlich, doch sie sind Vorletztes. Vorletztes sind Pandemien und Impfstoffe, und ebenso Familientreffen, Weihnachtsgeschenke und Kirchenbesuch. Das Letzte, Bleibende und Beständige ist die Botschaft, die wir am Heiligen Abend hören: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.“ Und darum: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

 

Gedanken zum Spruch der Woche (13.12.-19.12.2020)

Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)

Ist das kein Widerspruch? Wozu denn Gott, dem Herrn, den Weg bereiten, wenn er ohnehin kommt, sogar gewaltig, mit unwiderstehlicher Macht? Und was für ein Weg ist gemeint? Aus der Antike sind Prozessions- und Prachtstraßen bekannt, auf denen Herrscher mit Prunkwagen und Gefolge zu ihrem Palast ziehen konnten. Aber Gott? Wenn er als Helfer und Retter für sein Volk Israel erscheint, wenn er schließlich in seinem Sohn, dem Krippenkind von Bethlehem und dem Gekreuzigten von Golgatha, als Helfer und Retter zu allen Menschen kommt, dann ist das allein sein göttliches Tun. Niemand muss ihm erst den Weg bahnen.

Die alte Kirche hat darum die „Wegbereitung“, von der das Jesajabuch spricht, auf die innere Vorbereitung der Menschen bezogen und den Advent, die Zeit der Erwartung der Ankunft Jesu, ebenso wie die Passionszeit als eine Buß- und Fastenzeit begangen. Der Advent gibt Anlass zur Selbstprüfung und zur Korrektur. Was muss ich ändern, um mich auf das Kommen Gottes einzustellen? Was sollte geordnet oder erneuert werden? Was muss ich gegebenenfalls aus dem Weg räumen, damit Vergebung, Versöhnung und Frieden, die Gott uns mit der Geburt Jesu schenkt, auch bei mir ankommen und zur Wirkung kommen können?

Meist bleibt in der Hektik der Wochen vor Weihnachten für solche Fragen keine Zeit. In diesem Jahr ist das anders, denn vieles, was uns ablenken könnte, findet nicht statt. Nutzen wir die Gelegenheit – vielleicht liegt ja tatsächlich, wie oft behauptet wird, „in der Krise eine Chance“.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (6.12.-12.12.2020)

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Lukas 21,28

Ja, wir haben Grund zur Hoffnung! Der Impfstoff gegen Corona ist zum Greifen nah. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, um möglichst schnell erstmal diejenigen immunisieren zu können, die es am nötigsten haben. Und Schritt für Schritt kommt jede/r im Laufe der Monate dran, sofern gewünscht. Die zurückliegende Zeit hat uns allen gemeinsam die tiefgreifende Erfahrung zugemutet, was es heißt, auf Erlösung zu hoffen.

Ist das tatsächlich schon die Erlösung, von der Jesus nach Lukas spricht? Diese Erlösung wird noch viel grundsätzlicher und umfassender sein am Ende der Zeiten, wenn Jesus wiederkommt. Aber sie zeigt sich jetzt schon immer wieder, z. B. wenn Gott Mittel und Wege schenkt, Krankheiten zu heilen. Vor 100 Jahren wütete die spanische Grippe ungebremst. Jetzt haben wir Grund zur Hoffnung, von der Corona-Fessel befreit zu werden. Gott sei Dank!

Gedanken zum Spruch der Woche (29.11. - 5.12.2020)

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9)

In der Bildersprache des christlichen Glaubens ist das Kommen Jesu in die Welt oft mit dem Einzug eines Königs verglichen worden. Das ist ein paradoxes Bild: Jesus kommt in göttlicher Vollmacht und wird im Triumph empfangen. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit!“ Doch das Wort aus dem Buch des Propheten Sacharja, das sein Kommen deutet, verweist auf eine Eigenart seines Königtums, die so gar nicht zu einem pompösen Einzug passt: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“

Solange biblische Symbole zum Alltag gehörten, ist dieser Kontrast kaum bewusst geworden. Man hatte sich daran gewöhnt. Heute, wo viele Menschen mit religiöser Sprache nicht mehr vertraut sind, fällt die politische Sprengkraft wieder ins Auge, die darin liegt. Dies umso mehr, als die Selbstinszenierung von Macht derzeit wieder hoch im Kurs steht.

Der von Gott gesandte König, der arm und auf einem Esel reitend Einzug hält, ist das Gegenbild des selbstherrlichen Auftretens weltlicher Machthaber aller Zeiten. Ihre Herrschaft, die das Recht und das Wohlergehen ihrer Völker gering schätzt, ist zum Untergang verurteilt, obwohl sie sich mit allen Mitteln, auch mit Gewalt zu behaupten sucht – sie kann vor Gott nicht bestehen. Der Herrschaft des Gerechten und Helfers (oder: Retters), der ohne Machtmittel, doch in der Vollmacht Gottes einzieht, gehört dagegen die Zukunft. „Die Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt.“ (Gustav Heinemann) Das ist die frohe Botschaft des Advents.

 

Gedanken zum Spruch der Woche (22.11. - 28.11.2020)

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen.“ Lukas 12,35

Die Mehrheit der BundesbürgerInnen freut sich dieses Jahr nicht auf Weihnachten“, lese ich in der Zeitung. Ja, so manches werden wir diesmal schmerzlich vermissen: das unmaskierte Shoppen, die Weihnachtsmärkte, die Adventsfeiern und so manche schöne Veranstaltung. Denjenigen, die daraus normalerweise Einnahmen erwirtschaften, ist das bedrückende Gefühl gut nachzuempfinden. Aber der Ursprungssinn von Weihnachten ist dann doch ein ganz anderer. Wir gehen auf den Advent zu, das heißt Ankunft, Ankunft Gottes in der Welt. Wer einen so hohen Besuch erwartet, macht sich bereit, schnallt den Gürtel um, ist einsatzfertig und macht das Licht an, um nicht einzuschlafen und den Besuch festlich zu empfangen. Erwartung statt Resignation, Vorfreude statt Melancholie, Aufmerksamkeit statt Schläfrigkeit. Gott kommt und die darauf vorbereitet sind, bekommen das auch mit.

Gedanken zum Spruch der Woche (15.11.-21.11.2020)

"Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi." (2.Korinther 5,10a)

Die Vorstellung vom „Jüngsten Gericht“ hat Menschen jahrhundertelang in Angst versetzt, hat sie zu frommen Leistungen angetrieben oder in Verzweiflung gestürzt. Inzwischen, so scheint es, hat diese Vorstellung ihren Schrecken verloren. Man zittert nicht mehr in der Erwartung, am Ende seiner Tage von einem himmlischen Richter zu ewiger Verdammnis verurteilt zu werden. Dafür haben wir ein anderes Gericht fürchten gelernt: das unbarmherzige Tribunal der Gesellschaft, die vernichtenden Urteile, die Menschen öffentlich wie im Privaten übereinander fällen. Anschuldigungen, Verurteilungen und, als Reaktion, die Abwehr oder das Abwälzen der Schuld auf andere bestimmen zunehmend den Umgang miteinander.

Angesichts der Erbarmungslosigkeit, mit der Menschen über Menschen urteilen, ist die Botschaft vom göttlichen Gericht geradezu tröstlich. Denn der Richter, der auf dem himmlischen Richterstuhl sitzt, ist nach dem Neuen Testament niemand anderer als Jesus Christus selbst – derselbe, der den Menschen die Liebe Gottes nahe gebracht hat, der die von Schuld Beladenen zu sich gerufen hat, um ihnen zu vergeben, und der schließlich am Kreuz mit seinem Leben für unser Leben eingetreten ist.

Diesen Richter haben wir als Christen nicht zu fürchten. Wohl steht das Urteil noch aus. Doch den Maßstab seines Urteils kennen wir schon. Es ist nichts Außerordentliches, nur das eigentlich Selbstverständliche, das er von uns erwartet: Notleidende versorgen, Fremde aufnehmen, für Kranke und Gefangene da sein. Dann wird er sagen: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan.

Gedanken zum Spruch der Woche (8.11.-14.11.2020

Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ ( Matthäus 5,9)

Ich sehe den Wochenspruch und merke, ich stehe noch ganz unter dem Eindruck der vergangenen Woche. Tagelanges Warten auf den Ausgang der Wahlen in den USA. Ewig tat sich nichts im Blick auf das Verhältnis der Wahlmänner und -frauen für Biden bzw. Trump. Dann gestern der Durchbruch. Der 46. Präsident wird Joe Biden heißen. Für mich ein Grund, Gott zu danken. Nicht dass ich Biden für einen Engel halten würde, nicht dass ich mir gleich eine rosige Zukunft vorstelle, aber ich habe Hoffnung, dass er anfängt, Frieden zu stiften mit integrierenden und versöhnenden und verantwortungsvollen Worten und Taten. Ich bete zu Gott, dass ihm das gelingen möge und dass Frieden und Wahrheit sich gegen Aggression und fake news durchsetzen.

Gedanken zum Spruch der Woche (1.11.-7.11.2020)

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

(Römer 12,21)

Wie das Böse in die Welt kam, bleibt ein Geheimnis. Seine Wirklichkeit aber ist unübersehbar. In Krieg, Terror, Verbrechen und Gewalt ist das Böse in vielen Gestalten gegenwärtig, und die destruktiven Folgen menschlicher Bosheit lassen das Böse als eine geradezu übermenschliche Macht erscheinen. „Erlöse uns von dem Bösen“, beten wir im Vaterunser. Das Böse wieder aus der Welt zu schaffen wird keinem Menschen gelingen. Das kann nur Gott selbst.

Sind wir dem Bösen also ohnmächtig ausgeliefert? Der Apostel Paulus fordert die Christen in Rom auf, sich nicht vom Bösen überwinden, also: besiegen zu lassen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: Das Böse überwindet mich, wenn ich vor seiner Übermacht kapituliere und ihm keinen Widerstand mehr entgegensetze. Das Böse hat aber auch gesiegt, wenn ich Böses mit Bösem vergelte und damit selbst zum Anwachsen der Bosheit beitrage.

Überwinden, so meint der Apostel, lässt sich das Böse nur mit Gutem. Was wie eine Allerweltsweisheit klingt, bekommt für Paulus einen neuen, besonderen Sinn durch Jesus Christus: Er hat sich durch den Hass, der ihm entgegenschlug, und die Gewalt, die ihm angetan wurde, weder einschüchtern noch korrumpieren lassen, sondern ist bis zum Letzten für das Gute eingestanden – für die Liebe Gottes, gegen die selbst der Tod machtlos war. Die Wirklichkeit dieser Liebe, von der Christen leben, macht es ihnen möglich, Gewalt nicht mit Gewalt zu beantworten, sogar ihre Feinde zu lieben und dem Bösen so die Anerkennung seines Machtanspruchs zu verweigern.

Gedanken zum Spruch der Woche (25.10.-31.10.2020)

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort hören und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Micha 6,8

Jeder und jede möchte sicherlich ein gutes Leben führen und eben kein schlechtes. Aber was heißt schon „gut“ im eigentlichen Sinne? Ab wann ist das Leben gut? Empfindet das nicht jede/r anders? Unsere Bundesregierung hat vor einigen Jahren eine Strategie mit Namen „Gut leben in Deutschland“ aufgelegt, aufgefächert in 12 Dimensionen: „Gesundheit; Bildungschancen für alle; gut arbeiten und gerecht teilhaben; Zeit haben; sicheres Einkommen; sicher und frei leben; zuhause sein; Zusammenhalten; Wirtschaft stärken; Umwelt schützen; gleichberechtigt leben; Frieden sichern!“ Sich für gute Lebensbedingungen einzusetzen, ist eine wichtige politische Aufgabe. Aber was ist, wenn jemand in den einzelnen Dimensionen hinter den Erwartungen zurückbleibt, also nicht die statistische Lebenserwartung erfüllt oder kein sicheres Einkommen hat oder die Umwelt als gefährdet erlebt oder, oder, oder? Ist das Leben dann nicht mehr gut? Ist das gute Leben nicht auch abhängig von der persönlichen Einstellung und dem eigenen Verhalten? Der Prophet Micha setzt auf Eigenverantwortung: Was gut ist, weißt du. Dir ist bekannt als gläubiger Mensch, was Gott von dir erwartet, was er gut findet in deiner Art zu leben, drei Dinge, mit denen das Wesentliche umschrieben ist: Gerechtigkeit üben – das solidarische Miteinander lieben – aufmerksam und bescheiden mit deinem Gott mitgehen. Dann fühlt sich das Leben gut und richtig an.

Spruch für die Woche vom 18.-24.10.2020 aus Jeremia 17,14

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“

Dazu Gedanken von Jörg Zink:

Jesus war ein Heiler. Es wäre vielleicht hilfreich, wir würden, was „Sünde“ ist, nicht nur in moralischen Kategorien darstellen, sondern auch in den Kategorien der Krankheit, der Kraftlosigkeit, der Selbstzerstörung, und sagen: Heile mich. „Sie sind nicht böse, sondern krank. Sie brauchen keine Moralreden, sondern einen Arzt“, sagt Jesus über die Miserablen, denen er begegnet.“

Die Kirchengemeinde Krankenhagen unterstützt die United4Rescue

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Handarbeitsclub wieder aktiv

Handarbeiten Sie gerne in Gesellschaft? Brauchen Sie neue Ideen, Anregungen, Tipps und Hilfe bei neuen Techniken oder möchten Sie einfach mal andere Tapeten sehen? Erfahrene Strickerinnen und Handarbeiterinnen stehen Ihnen bei uns an der Seite und helfen Ihnen gerne. Unter der Leitung von Emma Harder bieten wir Ihnen ab dem 7. Januar immer am 1. und 3. Dienstag im Monat in der Zeit von 15:30 bis 17:00 Uhr ein gemütliches Treffen zum Erfahrungsaustausch, Klönen und gemeinsamen Handarbeiten im Gemeindesaal der Erlöser Kirche bei warmen und kalten Getränken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Spieleabend im Gemeindesaal

Haben Sie Freude an Gesellschaftsspielen und Brettspielen oder spielen Sie lieber einen schönen Skat oder Doppelkopf, aber Ihnen fehlen die richtigen Partner? Unsere Kirchengemeinde in Krankenhagen bietet Ihnen die Möglichkeit in gemütlicher Runde sich der Spielleidenschaft hinzugeben. Unter der Leitung von Andrea Schermer finden Sie an kleinen Tischen verschiedene alte und neue Spiele zum Kennenlernen und Ausprobieren. Das Angebot findet immer am letzten Freitag im Monat in der Zeit von 19:00 bis 22:00 Uhr statt und ist kostenlos. Für heiße und kalte Getränke ist gesorgt. Der nächste Termin ist der 27. März. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

Wir freuen uns mit allen Geburtstagskindern, die in diesem Jahr 70 Jahre und älter geworden sind, einen Dankgottesdienst mit anschließendem Kaffeetrinken zu feiern. Der Gottesdienst ist am 22. März um 14:00 Uhr. Es singt der Kirchenchor. Im Gemeindesaal erwarte Sie anschließend ein hausgemachtes Kuchenbüffet und fröhliche Unterhaltung.